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Thema: Monkey Hero

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
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    Mar 07
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    Monkey Hero

    Monkey Hero




    Entwickler: blam!
    Publisher: Take 2
    System: PSone
    Genre: Action-Adventure
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: -

    Warnung: Monkey Hero ist nicht auf der Playstation 2 lauffähig! Es lässt sich nur auf der PS1/one abspielen. Wie es mit der PS3 aussieht, weiß ich leider nicht.



    Einleitung:
    Und dann war es wieder soweit.
    Der Abspann von Monkey Hero – einem durchschnittlichen Zelda-Klon – flimmerte über meinen TV-Bildschirm.
    Solch ein Ereignis bedeutet bei mir in der Regel, dass ein neues Review ansteht.
    Dummerweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Plan, wie ich die Einleitung, welche ihr jetzt gerade lest, formulieren sollte.
    Die Ending-Credits gaben mir jedoch den nötigen Denkanstoß.
    Irgendetwas von „Inspired from „Monkey“ a chinese novel, stand da geschrieben.
    Meine darauf folgende Recherche eröffnete mir einen hochinteressanten Einblick in Chinas Literatur.
    Das betreffende Buch, welches hierzulande eher unter dem Namen „Die Reise nach Westen“ bekannt sein dürfte, erzählt den Werdegang und die aufregenden Abenteuer des Affenkönigs Sun Wukong und seiner Gefährten.
    Die Ernüchterung folgte aber sogleich als ich realisieren musste, dass sich nichts davon im besagten Videospiel wiederfand – ganz im Gegenteil ...



    Story:
    ... Die Handlung ist banaler 08/15-Quark, welcher kaum etwas mit der „Inspirationsquelle“ Die Reise nach Westen gemeinsam hat.
    Man übernimmt die Rolle des jungen Monkey, bei dem es sich andeutungsweise um Sun Wukong aus dem Buch handeln soll.
    Dieser Name wird im Spiel aber kein einziges Mal fallen, der Protagonist wird entweder als „Monkey“, oder als „Monkey Hero“ bezeichnet - klingt so als hätte jemand schiss gehabt den richtigen Namen des Helden in den Dreck zu ziehen.

    Nun denn, die Spielwelt in die es uns verschlägt, ist in drei Welten eingeteilt, die Traumwelt, die Wache Welt und die Albtraumwelt.
    Diese drei Welten koexistieren in Harmonie miteinander - zumindest bis der böööse König der Albtraumwelt beschließt die anderen beiden Welten zu erobern.
    Zu diesem Zweck versucht er das mächtige magische Buch aus der Wachen Welt zu rauben.
    Monkey wird von seinem Lehrmeister „Sage“ zur Verteidigung des Buches entsandt, der Affe erzielt dabei aber leider nur einen Teilerfolg.
    Die Seiten des Buches – acht an der Zahl – werden über die gesamte Wache Welt verstreut und von den Schergen des Albtraumkönigs in Gewahrsam genommen.
    Anschließend warten die Fieslinge schön brav darauf bis Monkey Hero zum Gegenangriff startet, um ihnen die kostbaren Buchseiten wieder abzunehmen.
    Das ganze gipfelt dann natürlich im obligatorischen Showdown gegen seine Albtraumheit selbst.

    Dieser langweilige, völlig uninspirierte (von wegen „Inspired from“ ...) Handlungsablauf, wird nochmals durch das völlig verkorkste Charakterdesign heruntergezogen.
    Die Spielfiguren (egal ob Freund oder Feind) sehen einfach beknackt aus, alleine das Intro löst schon einen unangenehmen WTF-Effekt aus und lässt den Spieler mit der Frage zurück, ob er sich das wirklich antun möchte.
    Im Spiel selbst wirken die Figuren in optischer Hinsicht aber nicht mehr ganz so bescheuert – Der pixeligen Grafik sei dank.
    Tja, viel mehr gibt es hier nun nicht zu erzählen. Die Story ist lahm, das Charakterdesign furchtbar und von der Buchvorlage bekommt man – wenn überhaupt – höchstens mal am Rande etwas mit.
    Sowas verstehe ich nicht unter „Inspired from“ ...



    Gameplay:
    Wie schon beim Vorbild „Zelda – A Link to the Past“ bzw. – „Links Awakening“, ist auch Monkey Hero in eine große Oberwelt und mehrere Dungeon-Level eingeteilt.
    Um den Spieler in die richtigen Bahnen zu lenken, werden einige Bereiche der Spielwelt aber erst zugänglich, wenn man die richtigen Werkzeuge gefunden hat.
    So lassen sich auch hier Holzpflöcke mit einem Hammer weghauen oder mit dem Greifhaken höher gelegene Plattformen erklimmen, um in zuvor unerforschte Gebiete zu gelangen – Déjà-vu anyone?
    Die Oberwelt und die Dungeons werden natürlich von den Monstersoldaten des Albtraumkönigs patrouilliert.
    Diese bekämpft man entweder mit der Hauptwaffe, einen Kampfstab, oder einigen der Werkzeuge wie Knallern und Wurfspeeren.
    Nur blöd, dass die Hauptwaffe eine ziemlich niedrige Reichweite hat, so dass man immer wieder unnötige Treffer einstecken muss, was einem auf Dauer ziemlich auf die Nerven geht.
    Der Energiebalken funktioniert hier exakt genauso wie in den Zelda-Games.
    Man hat eine Leiste aus anfangs vier Energiepunkten (werden als Pfirsiche dargestellt), die sich durch eingesammelte Pfirsiche wieder regenerieren lässt und mithilfe erbeuteter Riesenpfirsiche erweitert wird – immerhin hat man auf Herz... ähm, ich meine Pfirsichteile verzichtet ...

    Das Ziel besteht natürlich darin, in jeden der Dungeons einzudringen, sich an Monstern, Fallen und Rätseln bis zum Bossgegner voranzukämpfen, um nach dessen Niederlage eine der Buchseiten zu erhalten.
    Sind alle Seiten vorhanden, wird der finale Dungeon geöffnet und es geht zum großen Finale – ja ich weiß, die Déjà-vu's fangen langsam an zu nerven!
    Die viel zu nah liegende Vogelperspektiven-Kamera macht es einem nicht immer leicht die Übersicht in den unterschiedlichen Gebieten zu bewahren, eine fehlende Karte für die Dungeons passt da wie die Faust aufs Auge. Eine (unübersichtliche) Weltkarte ist aber vorhanden.
    Desweiteren wird die gesamte Spielwelt in finstere Nacht getaucht, da die „Wache“ Welt über keine Tagesphase zu verfügen scheint (auf der Weltkarte wird auch nur ein Sternenhimmel gezeigt).
    Die einzelnen Gebiete sind teilweise dermaßen dunkel ausgefallen, dass die Augen des Spielers ziemlich in Mitleidenschaft genommen werden.
    Eine wirkliche spielerische Relevanz der Dunkelheit findet sich nur in einigen Dungeon-Passagen, ansonsten einfach nur eine optische Tortur für den Spieler.

    Immerhin wurde die Steuerung gut umgesetzt.
    Linker Analogstick für die direkte Steuerung der Spielfigur, die X-Taste für die Primärwaffe, die O-Taste zum sprechen, Truhen öffnen etc., Quadrat für die Werkzeuge usw.
    Man hat alles sofort im Griff.
    Das größte Problem ist in der Tat der enorm dreiste Ideenklau.
    Zwei verschiedenen Schlüsseltypen in den Dungeons, ein Heilitem das einem nach Verlust aller Lebensenergie wiederbelebt, ein neues Werkzeug und eine Lebensenergieerweiterung pro Dungeon, das simple Handelssystem ... Verdammt, jeder noch so kleine Scheiß wurde aus Zelda gerippt, man kann es nicht oft genug erwähnen!
    Es verwundert mich das Nintendo nicht gegen diesen wirklich frechen Ideenklau vorgegangen ist.

    Ja, ich weiß, meine Meckerei nimmt kein Ende, weswegen ich nun zum Schluss kommen möchte:
    Unterm Strich reichts trotz allem für eine leicht überdurchschnittliche Wertung.
    Das Zelda-Spielprinzip lässt sich nun einmal nur sehr schwer kaputtmachen, daher kann auch Monkey Hero eine zeit lang unterhalten.
    Die gelungene Mischung aus Kampf, Rätseln und Erforschen sorgt nach wie vor für Laune.
    Zelda-Niveau sollte man aber nicht erwarten.
    Die Lösungen für die Rätsel sind fast immer offensichtlich, die Kämpfe können wegen des bereits angesprochenen Waffenproblems ziemlich nerven und allzu umfangreich ist die Spielwelt auch nicht geraten. Man sollte nach ca. 12-15 Stunden den Abspann zu Gesicht bekommen.
    Ärgerlich sind weiterhin einige unnötige Mängel wie die Nummer mit der Dunkelheit oder den fehlenden Dungeon-Maps.
    Was bleibt ist ein uninspirierter, durchschnittlicher Klon der einem einfach zu oft durch Déjà-vu's nervt.
    Spätestens wenn man die aus Links Awakening geklaute „20 Muscheln (hier sinds Kristalle) für die beste Waffe“-Sidequest vorgesetzt bekommt, hört der Spaß auch beim gutmütigsten Zelda-Fan auf.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: Die dreidimensionale Umgebungsgrafik wurde sehr unspektakulär gestaltet: Die unterschiedlichen Locations verbreiten kaum Atmosphäre und die Texturen sind einfach nur langweilig.
    Die Charaktermodelle, bei denen man nicht wirklich erkennen kann ob sie nun in 2D oder 3D-Grafik gestaltet wurden, wirken durchgehend grobpixelig.
    Zu allem Übel leidet die Spielwelt auch noch – wie bereits erwähnt – unter einer hundsmiserablen Beleuchtung.
    Das Intro- und Endingvideo kann man getrost in die Tonne kloppen, auch hier wird einem das Wort „Mittelmaß“ entgegen geschrieen.

    Sound: Zumindest beim Sound schneidet der Titel etwas besser ab.
    Es gibt hier einige nette „Gute Laune-Melodien“, die einem durchaus positiv im Gedächtnis bleiben.
    Abgesehen davon bietet der OST aber nichts nennenswertes.
    Eine Sprachausgabe fehlt, und die Geräuscheffekte schwanken zwischen unspektakulär und unpassend.
    Unterm Strich wird also auch hier nur Mittelmaß geboten.

    Präsentation: Schrecklich. Banale Story trotz hochwertiger Buchvorlage, karikatives Charakterdesign, eine gerade noch durchschnittliche Grafik mit erheblichen Beleuchtungsproblemen ... Die Präsentation ist eine Katastrophe!
    Nun kann man natürlich darüber streiten, ob das Game nicht eher für Kids programmiert wurde, die sich freilich nicht allzu sehr über jeden dieser Mängel aufregen dürften, wie es bei älteren Semestern zweifellos der Fall sein wird.
    Doch selbst die Kleinsten dürften sich an der chronischen Dunkelheit der Spielwelt stören ... Das Augenlicht wird in Monkey Hero – ohne Übertreibung – auf eine harte Probe gestellt!



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - gewohnt unterhaltsames Grundspielprinzip
    - mangelnde Konkurrenz auf der Playse
    - gute Steuerung

    Kontra:
    - trotz interessanter Buchvorlage belanglose, mies präsentierte Story
    - beschissenes Charakterdesign
    - zahlreiche Gameplay-Detailmacken
    - chronische Dunkelheit der Spielwelt
    - besonders fantasieloser Zelda-Ripoff



    Fazit:
    Furchtbar was man hier veranstaltet hat.
    Das Spiel an sich mag – trotz der Gameplay-Mängel und frechen Zelda-Klauerei – ganz ordentlich sein, Handlung und Charakterdesign sind aber unter aller Kanone.
    Wenn man dann noch bedenkt, worauf das alles basieren soll, kann man sich nur noch an den Kopf fassen.
    Da haben wir diese wirklich interessante Buchvorlage, mit einem originellen und einzigartigen Hauptcharakter, und alles was blam! dabei herausholt ist eine dusselige, peinliche Karikatur. Muss das denn sein?
    Mit Suikoden hat die Versoftung eines alten chinesischen Romans doch auch ganz gut funktioniert.
    Warum musste man den Affenkönig dermaßen durch den Dreck ziehen?
    So kann ich für das Spiel einfach keine Empfehlung aussprechen.
    Selbst diejenigen ohne Zugriff auf eine Nintendo-Konsole finden auf der PSone mit TechnoMage und den beiden Alundra-Spielen wesentlich bessere Vertreter des Genres.
    Monkey Hero ist wirklich nur für die ganz harten Zelda-Gameplay-Fans geeignet, die wirklich jedes Spiel dieser Kategorie gezockt haben müssen.



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 5
    Sound: 6
    Steuerung: 8
    Umfang: 6,5-7
    Story: 3
    Spielspaß: 6
    Gesamtwertung: 6-6,5
    Geändert von Balmung (18.1.13 um 13:28 Uhr)

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