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Thema: The Bard's Tale

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
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    Mar 07
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    The Bard's Tale

    The Bard's Tale




    Entwickler: InXile Entertainment
    Publisher: Ubisoft
    System: PS2, Xbox, PC
    Genre: Hack'n'Slay-RPG
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen:
    Pentium III 933 MHz / Windows 98, SE, Millenium, 2000, XP / 256 MB RAM / Grafikkarte: GeForce FX Serie oder ATI Radeon X300/9500(Karte muss DirectX Vertex Shader Version 1.1 oder höher unterstützen) / 2-8 GB Festplattenspeicher / 4x DVD-Rom Laufwerk

    Anmerkung: Getestet wurde die PS2-Version.



    Einleitung:
    Klischees, wem gehen sie nicht auf den Sack?
    Ich persönlich empfinde sie schon seit geraumer Zeit als enorm lästig und betrachte sie darüber hinaus auch als ärgerliche Innovations-Bremse.
    Dementsprechend positiv ist mir seinerzeit auch „The Bard's Tale“ aufgefallen.
    Und nein, wir reden hier nicht über den alten RPG-Schinken von 1985, sondern der Neuinterpretation, welche 2004/05 von Brian Fargo's Programmierstudio InXile Entertainment auf den Markt gebracht wurde.
    Ironischerweise hat Fargo bereits an den Bard's Tale-Originalen mitgearbeitet, wobei das neue Barden-Abenteuer aber Gameplay- und Handlungstechnisch nichts mehr mit den alten Spielen gemein hat - ganz im Gegenteil.
    Während sich Puristen, Nostalgiker oder was auch immer mit Grausen von dieser parodistischen Version ihrer Uralt-Abenteuer abwenden dürften, bekommen Klischeehasser und Fans von Parodien im allgemeinen, ein echt tolles Spiel im Stil von „Dark Alliance“ und „Champions“ geboten - gehen wir ins Detail:



    Story:
    Wein, Weib und Gesang ... nein Weib, Wein und Gesang, in der Reihenfolge, dass ist alles was den Barden interessiert.
    Nachdem sich der namenlose Musikus über die letzten Monate als Vagabund und - eher unfreiwilliger - Teilzeitheld über die Oakney-Inseln schummelte, steht sein Leben letztendlich an einem Scheideweg ... ein Trupp mörderischer Druiden bereitet sich darauf vor, dem Barden und seinen durch magische Instrumente heraufbeschworenen Begleitern Saures zu geben - dabei hat doch alles so harmlos angefangen:

    Im primitiven Dörfchen Houton angelangt, wurde der Barde nach einem nicht vollständig geglückten Trickbetrug zur Rattenbeseitigung in der örtlichen Taverne abkommandiert.
    Eine warme Mahlzeit und ein Schlafplatz für die Nacht winken als Lohn - Schankmaid inklusive, versteht sich.
    Dummerweise entpuppt sich das Zielobjekt als gigantisches, feuerspeiendes Monstrum - was nun?
    Hilfe naht in Form eines zwielichtigen alten Knackers, der bereitwillig eine neue Beschwörungsmelodie herausrückt, mit derer oben beschriebenes Problem gelöst wird und die somit den Tag rettet.
    Aber natürlich kommt es wie es kommen muss ... der Alte ist Mitglied eines geheimen Ordens, dessen Aufgabe es ist die hübsche Prinzessin Caleigh aus den Klauen einer rabiaten Druiden-Sekte zu erretten.
    Und da die Prinzessin ebenso reich wie hübsch ist und unserem kleinkriminellen Musikanten obendrein drei Mal täglich „ihr wisst schon was“ verspricht, kennt der Barde kein Halten mehr und macht sich auf den Weg seine niederen Instinkte zu befriedigen.

    Die Handlung ist eine einzige Parodie auf „Held rettet Welt und Prinzessin“-Klischees.
    Folglich ist unser „Held“ ein zynischer Gauner, und die zu rettenden Oakney-Inseln, dank ihrer durch Inzucht und Unfreundlichkeit geschlagenen Einwohner, alles andere als schützenswert.
    Da wundert es auch nicht, dass der Barde nicht wirklich motiviert bei der Sache ist und sich mehr als nur einmal fragt, ob das die ganze Sache wirklich wert ist.
    Kommentiert wird das Ganze von einem Geschichtenerzähler, der keine sonderlich hohe Meinung vom Barden zu haben scheint.
    Somit haben wir hier gleich zwei genervte Zyniker, welche den alltäglichen Wahnsinn von Video- und Computerrollenspielen, auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise kommentieren.
    Egal ob nun eine ungestraft geöffnete Schatztruhe in einem Privathaushalt, oder der getötete Wolf der auf einmal eine ganze Wagenladung an Wertsachen droppt - zahlreiche Ungereimtheiten, welche der RPG-Zocker in seiner langen Gamer-Karriere durchlitten hat, werden in diesem Spiel gekonnt durch den Kakao gezogen.
    Da gibt's von mir doch glatt eine entsprechend hohe Benotung als Lohn für den Barden!



    Gameplay:
    Wer einmal ein Hack'n'Slay-RPG gespielt hat, wird wissen was ihn hier erwartet.
    Zur Erfüllung einiger Quests muss man sich in erster Linie durch weitläufige Dungeons kämpfen, in denen ganze Heerscharen feindlich gesinnter Kreaturen darauf warten, niedergemetzelt zu werden.
    Betrachtet wird das Spektakel aus der Vogelperspektive, welche für eine optimale Übersicht sorgt.
    Die Steuerung ist hierbei schnell erlernt und kinderleicht umzusetzen.
    In dieser Hinsicht unterscheidet sich The Bard's Tale also nicht von anderen Genrevertretern.
    Dafür gibt es aber viele andere Aspekte, die diesen Titel wohltuend von der Konkurrenz hervorheben - und damit ist noch nicht mal die witzige Erzählweise der Story gemeint.
    Allerdings gibt es auch einige Schattenseiten ...


    Charaktererstellung: Zu Beginn des Spieles hat man die Wahl aus drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden, welche nicht nur die Start-Skillpunkte des Barden und die Stärke seiner Feinde beeinflussen, sondern auch die Anzahl der Speicherpunkte die man im Spiel vorfindet.
    Anschließend verteilt man 12 Skillpunkte auf die sechs unterschiedlichen Fähigkeiten des Barden.
    Hierzu gehören typischen Eigenschaften wie „Stärke“ und „Vitalität“, aber auch das „Rhytmusgefühl“ des Barden, welches die Leistung der beschworenen Wesen beeinflusst.
    Zum Abschluss muss man nun noch ein Talent wählen.
    Talente benötigt man um diverse Kampffertigkeiten zu erlernen oder zu erweitern.
    Auch der Umgang mit einigen Waffengattungen wie Zweihandschwertern oder Keulen muss erst einmal auf diese Weise freigeschaltet werden.
    Hat man seine Wahl getroffen kann es dann endlich losgehen.


    Mikromanagement: Während des Spieles verdient man sich durch das Lösen von Quests und Töten von Feinden natürlich Erfahrungspunkte und Silber (Ja richtig gelesen, hier gibt’s Silber und kein verdammtes Gold wie in anderen RPGs!).
    Bei genügend angesammelten Erfahrungspunkten stuft man auf und erhält zwei weitere Skillpunkte zum Verteilen auf die Eigenschaften (der Höchstwert pro Eigenschaft liegt bei 20).
    Alle zwei Level-Ups darf man dann auch noch ein zusätzliches Talent auswählen.
    Das verdiente Silber hingegen lässt sich in diversen Shops, in Wirtshäusern oder bei Geistlichen verpulvern.
    In Wirtshäusern kann sich der Barde ordentlich einen hinter die Binde kippen, um seine Skillpunkte temporär zu beeinflussen.
    Silberspenden bei einem Priester dienen hingegen dazu Bildergalerien, Lieder oder Videos im Unterpunkt „Extra“ des Startmenüs freizuschalten.
    Hauptausgabequelle dürften jedoch die Ausrüstungsläden sein, von denen man in jeder Siedlung einen findet.

    Das Umrüsten und Verkaufen veralteter, schwächerer Ausrüstungsstücke geschieht hier übrigens vollautomatisch.
    Erwirbt oder findet man ein neues, besseres Ausrüstungsteil, wird das alte sofort in Silbermünzen umgewandelt, während das neue sogleich ausgerüstet wird.
    Auch die von beseitigten Gegnern gedroppten Items werden an Ort und Stelle in Silber umgemünzt.
    Ein kleiner Gag besteht darin, dass die Feinde teils sehr skurrile Sachen hinterlassen.
    Zombies die - neben ihren Gehirnen und Augäpfeln - auf einmal Hautcreme hinterlassen, sorgen ebenso für Schmunzler, wie getötete Wölfe, welche Picknickkörbe und Rote Capes droppen.^^
    Im übersichtlichen Charaktermenü kann man die Statistiken und Habseligkeiten des Barden begutachten.
    Hierzu gehören neben der aktuellen Ausrüstung und der Liedersammlung für Beschwörungen auch die sogenannten Artefakte.
    Letztere beeinflussen die Statistika des Barden auf positive Weise - also immer schön danach Ausschau halten!
    Das war dann aber auch schon alles was man bezüglich des Mikromanagements wissen sollte.
    Ein Inventar wie man es aus anderen Spielen kennt, wo man auf Umfang und Gewicht der Habseligkeiten achten muss, existiert hier nämlich nicht.


    Kampfsystem: Jetzt wird’s interessant, das Kampfsystem von Bard's Tale bietet nämlich sehr viele Eigenheiten.
    Zunächst einmal wird einem recht bald auffallen, dass sich die Bewegungsabläufe beim Kampf gänzlich anders „anfühlen“ als in anderen Hack'n'Slay-RPGs.
    Der Barde schlägt recht schwerfällig zu, und landet bei einem eingesteckten Treffer auch gerne mal auf den Hosenboden, was ihn zu einer leichten Beute werden lässt.
    Kurz - es wirkt hier alles wesentlich realistischer als in anderen Spielen.
    Jede Waffengattung fühlt sich anders an: Mit einem Flegel kämpft es sich z. B. wesentlich schwerfälliger als mit der Schwert-Dolch-Kombination, und die Frequenz abgeschossener Pfeile ist erheblich niedriger als man es von anderen Titeln gewohnt ist.
    Diese Tatsache macht ein vorsichtiges Vorgehen wichtiger denn je, denn wer sich blind in eine Gruppe von Gegnern stürzt, beißt selbst im niedrigsten Schwierigkeitsgrad schneller ins Gras als er gucken kann.

    Zum Glück ist der Barde nur selten auf seine eigene Kraft angewiesen, im Kampf entpuppt sich nämlich der wahre Zweck seiner Musikinstrumente.
    Mittels magischer Melodien kann er - je nach Instrument - eines bis vier Wesen gleichzeitig beschwören, die ihn im Kampf unterstützen.
    Die Funktionsweise der beschworenen Wesen reicht von reinen Kämpfern, wie dem „Ritter“ oder dem „Söldner“, über die „Schrulle“, welche Verwundungen heilt, bis hin zum „Kundschafter“, der innerhalb der Dungeons nach Geheimräumen Ausschau hält und Fallen entschärft.
    Natürlich sind diese Wesen nicht unverwundbar und können genauso schnell sterben wie der Barde.
    Allerdings kann man stets neue Beschwörungen tätigen, solange man über genügend Mana verfügt, welches sich - genau wie die Lebenspunkte - mit der Zeit von selbst regeneriert.
    Es gibt insgesamt 16 solcher Beschwörungslieder zu entdecken, darüber hinaus lässt sich für jedes Lied auch eine verbesserte Version finden.
    Die K. I. der Wesen ist übrigens absolut zufriedenstellend, bei Bedarf kann man ihnen per Steuerkreuz aber auch Anweisungen erteilen.

    Blindes durchschnetzeln einer unkaputtbaren Ein-Mann-Armee ist hier also nicht angesagt.
    Anders als in anderen Spielen beruht der Erfolg auf dem klugen Einsatz der Beschwörungen und der richtigen Waffenwahl zur richtigen Zeit.
    Über bequeme Ringmenüs, auf die man per Schultertasten zugreifen kann, erhält man nämlich nicht nur schnellen Zugriff auf die Melodien, sondern auch auf die unterschiedlichen Waffengattungen - ein schneller Waffenwechsel ist hier jederzeit möglich.
    Abgerundet wird das Ganze durch die Natternsteine, mit denen man insgesamt vier verschiedene Magiesprüche wirken kann - am Wichtigsten dürfte hier die Heilung sein.
    Allerdings gibt es Natternsteine nicht zu kaufen, man sollte also sparsam mit denen umgehen, die man in den Schatzcontainern der Spielwelt auffindet.


    Sonstiges: Abgesehen vom Kampfsystem, das uns bereits einige innovative Elemente liefert, gibt es noch andere Dinge, welche für die nötige Eigenständigkeit von The Bard's Tale sorgen.
    Am interessantesten dürfte hier wohl das „Sarkastisch-Freundlich“-Gesprächssystem sein.
    In einem Großteil der Dialoge mit NPCs, hat der Barde nämlich die Auswahl zwischen eben genannten Verhaltensweisen.
    Je nach Wahl bekommt der Barde - logischerweise - andere Antworten zu hören, und muss gegebenenfalls die Konsequenzen seiner Wortwahl tragen - oder streicht dabei vielleicht sogar eine kleine Extrabelohnung ein.
    Man sollte allerdings nicht erwarten, dass man mit freundlichen Antworten immer das beste Ergebnis erzielt - die Einwohner der Oakney-Inseln sind da ziemlich unberechenbar.
    Allzu komplex ist dieses Feature aber dann doch nicht ausgefallen – ein Artefakt mehr für die richtige Antwort, ein paar Goldmünzen Verlust für die falsche ... mit größeren Konsequenzen ist nicht zu rechnen. Lustig ist das Ganze aber dennoch!
    Weniger unterhaltsam und eher ungewöhnlich für ein Hack'n'Slay-RPG sind die respawnenden Feinde.
    Ein von Feinden gesäubertes Gebiet ist beim nächsten Besuch mit denselben Kreaturen vollgestopft, welche man zuvor schon beseitigt hatte.
    Es besteht also theoretisch die Möglichkeit des Levelgrindings, was aber - Gott sei Dank - rein optional ist, da man auch ohne „Training“ gut durch das Spiel gelangt.
    Dementsprechend sollte man auch versuchen lästigen Monster-Begegnungen auf der frei begehbaren Weltkarte aus dem Wege zu gehen - darauf hätte man gut und gerne verzichten können.


    Negative Kritik: Wer es immer noch nicht gemerkt hat - es gibt nur den Barden als Spielfigur, weitere Charakterklassen sind non existent.
    Es ist auch nicht möglich, den Barden in einem höheren Schwierigkeitsgrad zu importieren, um somit zumindest diese eine Charakterklasse immer weiter aufzupowern.
    Das wäre aber ohnehin unsinnig, da der Level-Cap bei 21 festgelegt wurde - und dieses Niveau erreicht man locker während eines Spieldurchlaufes.
    Auch das Talent-System kann nicht mit dem breit gefächerten Fähigkeitenbaum eines Champions of Norrath konkurrieren.
    Dafür ist jedoch die Spieldauer eines Durchlaufes mit 20-25 Stunden sehr gut bemessen.
    Dennoch kann The Bard's Tale bezüglich Umfang und Wiederspielwert nicht mit anderen Genrevertretern mithalten - hierfür leider ein dickes Minus für den Barden.

    Ein weiterer Malus mag für manchen wohl die extreme Straffung des Mikromanagements sein.
    Andere Spiele dieser Art bieten ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Ausrüstungsteilen mit magischen Verzauberungen und speziellen Eigenschaften, Tränken, Amuletten usw., welche man frei in einem begrenzten Inventar verwalten muss.
    Auch diesen Gameplay-Aspekt sucht man hier vergebens - The Bard's Tale setzt seinen Schwerpunkt eindeutig auf andere Dinge, so dass auch hier Umfang und Spieltiefe den Kürzeren ziehen.
    Verzichten muss man desweiteren auf den Genre-Üblichen Multiplayer-Coop-Modus - The Bard's Tale ist ein reines Singleplayer-Spiel.
    Der Titel erlaubt sich also einige grobe Mängel, die spätestens seit Dark Alliance, wenn nicht schon seit dem 1996 veröffentlichten Diablo, klarer Genre-Standard sind.
    Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man dieses Spiel erwirbt.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: Verwendet wurde die Champions of Norrath-Grafikengine, und diese sieht man dem Spiel auch sofort an.
    Allerdings hat man hier wesentlich mehr Liebe ins Detail gesteckt.
    Der Anblick der Bäume, welche sogar animiert wurden, um im Wind hin und her zu wiegen, hatte mich damals schwer beeindruckt!
    Auch die Charaktermodelle wurden hier wesentlich detaillierter und prägnanter gestaltet als bei der Konkurrenz.
    Kampfanimationen, Lichteffekte, Regenfälle ... alles sieht wirklich toll aus!
    Das Szenario ist hierbei überraschend bodenständig ausgefallen.
    Gerade zu Beginn des Spieles überwiegen idyllische Wald- und Wiesenlandschaften, und auch im späteren Verlauf spart man sich verrückte Ortschaften wie ein Riesenameisennest oder tropische Sandstrände.
    Für manch einen mag dies vielleicht einen Tick zu eintönig erscheinen, aber mir gefielen die in sich geschlossenen und logisch gestalteten Locations der Oakney-Inseln wesentlich besser, als der wirre Szenarien-Mischmasch eines Champions of Norrath.

    Leider gibt es auch hier Kritik zu äußern, denn ganz sauber ist die Grafik - bei aller Ansehnlichkeit - nicht gerade ausgefallen.
    Abgesehen von kleineren Rucklern in den Zwischensequenzen und selten auftretenden Slowdowns, brechen auch mal ganze Grafikbereiche weg, wenn man die Kamera allzu abenteuerlich um die Spielfigur kreisen lässt.
    Hier hat man leider versäumt den nötigen Feinschliff zu tätigen, was einige ärgerliche Minuspunkte einbringt.


    Sound: Ehrensache, dass in einem Spiel, in dem ein Barde die Hauptrolle spielt, die Musik hervorsticht.
    Es wurden eigens für dieses Spiel eine Hand voll mittelalterlich angehauchter Lieder komponiert, welche wunderbar zum Mitgrölen animieren.
    Ob nun der „Beer-Song“ oder „The Tale of the Nuckelavee“: Sämtliche Musikstücke sind waschechte Ohrwürmer und wurden glücklicherweise im englisch-sprachigen Original belassen, so dass der grandiose Humor der Liedtexte nicht verloren ging.
    Hier eine kleine Hörprobe: Beer-Song
    Auch die Geräuschkulisse weiß zu gefallen.
    Jede der 16 Beschwörungen verfügt über ihre eigene individuelle Melodie, und zur Krönung beeinflusst sogar das jeweilig ausgerüstete Instrument den Klang eben dieser.
    Man hört schon deutliche Unterschiede ob mit einer Harfe, einer Flöte oder der rockigen Axt-Gitarre musiziert wird - echt Klasse!
    Auch Kampflaute, Monstergebrüll und Hintergrundgeräusche wurden ansprechend und atmosphärisch umgesetzt - das Spiel kann an dieser Stelle wirklich punkten!

    Für die deutsche Synchronstimme des Barden hat man den Comedian Oliver Kalkofe engagiert.
    Im Gegensatz zum gut gelaunten und großspurig klingenden Sprecher der englisch-sprachigen Originalversion, interpretiert Kalkofe den Barden als chronisch genervten Miesepeter.
    Ob das besser oder schlechter ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, mir hat seine Arbeit jedenfalls ganz gut gefallen.
    Was mir hingegen überhaupt nicht gefällt, ist die abermals schlampige Umsetzung der Synchro.
    Scheinbar hatte Kalkofe (oder sein Auftraggeber) erst später die Eingebung dem Barden eine gelangweilt klingende Stimme zu verpassen.
    Das Ergebnis hieraus resultiert in einigen wenigen falsch synchronisierten Sätzen, in denen der Barde über eine komplett andere Stimme verfügt, was an der entsprechenden Spielstelle natürlich enorm irritiert.
    Es ist mir ein Rätsel, wie man an dieser Stelle dermaßen schlampig vorgehen konnte - so etwas darf einfach nicht passieren!
    Wenigstens gibt es sonst keine Ungereimtheiten im Bereich Synchronisation - die übrigen Sprecher, allen voran der Geschichtenerzähler, leisten jedenfalls sehr gute und vor allem saubere Arbeit.


    Präsentation: Eigentlich ist die Präsentation erstklassig ausgefallen.
    Toller Humor, symphatischer Hauptcharakter, sehr schicke Grafik, fantastischer Sound ...
    Es ist wirklich ärgerlich wie leichtfertig man mit diesen großartigen Zutaten umgegangen ist.
    Denn selbst anspruchslosen Spielern dürften wegbrechende Texturen, die Fehler bei der Synchro des Hauptcharakters und ruckelige Zwischensequenzen negativ auffallen.
    Ich habe irgendwie das Gefühl, dass man das Spiel etwas überhastet auf den Markt gebracht hat, so dass diese kleinen Mängel nicht rechtzeitig beseitigt werden konnten.
    Sehr schade ... dennoch überwiegen hier die positiven Eindrücke.



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - wunderbarer, parodistischer Humor
    - innovative Gameplay-Elemente
    - audiovisuell hochwertig

    Kontra:
    - nur eine spielbare Charakterklasse (Barde)
    - kleinere Schlampereien bezüglich Präsentation
    - kein Multiplayermodus



    Fazit:
    The Bard's Tale ist ein eigenartiges Spiel.
    Einerseits bringt es dem ausgelutschten Genre wertvolle neue Impulse durch frische Ideen, enttäuscht aber andererseits durch mangelnden Umfang, welcher in dieser Form eigentlich absolut inakzeptabel ist.
    Verschiedene Charakterklassen und ein Multiplayer-Modus sind nun einmal absoluter Genre-Standard - Dinge, die dieses Spiel leider nicht zu bieten hat.
    Aber warum bekommt das Game dann dennoch eine so gute Bewertung von mir?
    Nun, ganz einfach - wie es sich für einen echten Barden gehört, versprüht das Spiel einfach unglaublich viel Charme!
    Der Hauptcharakter gehört zu meinen absoluten Favoriten im Bereich Computer- und Videospiele, und die wirklich gut eingebauten neuen Gameplay-Elemente bringen das gewisse Etwas, welches den Titel aus der Masse hervorhebt.
    Darüber hinaus gab es von mir - als Fan von Parodien - natürlich noch einmal ordentlich Extrapunkte für den tollen Humor.
    The Bard's Tale mag kein Kandidat für einen Hit-Award oder dergleichen sein, aber man merkt wieviele Gedanken sich die Entwickler bei der Produktion gemacht haben - ein durch und durch symphatisches Spiel!



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 8,5
    Sound: 9
    Steuerung: 8,5
    Umfang: 7,5
    Story: 9
    Spielspaß: 8-8,5
    Gesamtwertung: 8-8,5
    Geändert von Balmung (18.1.13 um 13:31 Uhr)

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