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Thema: Lionheart: Legacy of the Crusader

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
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    Mar 07
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    Lionheart: Legacy of the Crusader

    Lionheart: Legacy of the Crusader




    Entwickler: Reflexive Entertainment / Black Isle
    Publisher: Interplay
    System: PC
    Genre: RPG
    Sprache: deutsche Texte, englische Sprache
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen (empfohlen):
    Pentium III 700 MHz / Windows 98SE, 2000, ME, XP / 128 MB RAM / Grafikkarte 8 MB / 1,8 GB Festplattenspeicher / 8x CD-Rom Laufwerk

    Anmerkung: Gespielt wurde mit dem offiziellen 1.1 Patch unter Windows XP Prof. - es gab keinerlei Probleme bezüglich Bugs und Abstürze.



    Einleitung:
    Da wollte es wohl jemand noch einmal wissen.
    Nachdem Black Isle mit Iso-RPG-Größen wie Fallout, Icewind Dale und Planescape Torment der Szene eindrucksvoll ihren Stempel aufgedrückt hatten, übernahmen sie 2003 die Beihilfe für Reflexive Entertainments Genrebeitrag: „Lionheart - Legacy of the Crusader“.
    Nun standen alle Türen offen, noch einmal alle Register zu ziehen, um das ultimative Iso-RPG zu kreieren.
    So sah zumindest der Traum für die letzten verbliebenen Iso-Fans aus, welche sich noch nicht so recht mit dem neumodischen 3D-Kram angefreundet hatten.
    Leider wurde aus Lionheart nicht der gewünschte Heilsbringer des Iso-RPG-Abendlandes, sondern viel eher das Paradebeispiel dafür, dass es manchmal besser wäre aufzuhören, wenn es am Schönsten ist ...



    Story:
    1192: König Richard der Erste kämpft im Dritten Kreuzzug gegen seinen Gegenspieler Sultan Saladin um das Königreich Jerusalem.
    Nach harten Kämpfen gelingt es Richard letztendlich die Stadt Akkon einzunehmen und die dort lebenden Muslime als Geiseln festzusetzen.
    Als das für die Geiseln ausgehandelte Lösegeld ausbleibt, beschließt er ein Exempel zu statuieren und die ca. 3000 gefangenen Muslime - darunter Alte, Frauen und Kinder - hinrichten zu lassen.
    So weit erst einmal zu den historischen Kenntnissen.

    Im PC-Spiel „Lionheart“ spielen bei der Hinrichtung aber weniger politische Interessen eine Rolle, als vielmehr die finsteren Pläne eines bösen Hexers.
    Dieser hat sich als Ratgeber in Richards Heer eingeschmuggelt, und hetzt den englischen König zu oben genannter Bluttat auf.
    Die Konsequenz auf den Massenmord an diesen unschuldigen Menschen folgt in Form der sogenannten „Spaltung“.
    Hierbei handelt es sich um eine Art Portal, aus dem Heerscharen dämonischer Kreaturen strömen, um die Erde zu erobern.
    Glücklicherweise bewahren König Löwenherz und Sultan Saladin einen kühlen Kopf und gehen Seite an Seite zum Gegenangriff über - mit Erfolg.
    Das Portal wird geschlossen und ein Großteil der Bestien erschlagen.
    Was die beiden Männer und ihre Armeen jedoch nicht verhindern konnten war die Rückkehr der Magie in unsere Welt ...

    1568: Magie, Monster, Halbmenschen und Geister sind auf der Erde nichts ungewöhnliches mehr.
    Zu Beginn des Spieles wird unsere Spielfigur von Sklavenhändlern gefangen genommen, die uns für ein hübsches Sümmchen an die spanische Inquisition verschachern wollen.
    Die Inquisition in dieser Zeitlinie macht zwar keine Jagd auf Querdenker und Gelehrte, geht dafür aber auf magisch Begabte und Halbmenschen los.
    Und da unser Player Charakter als Wirt für einen mächtigen magischen Geist dient, steht er dummerweise ebenfalls als Ketzer auf der Abschussliste des fanatischen Gesocks.
    Bevor es jedoch zum schlimmsten kommt und wir in den Folterkammern oben genannter Organisation landen, nimmt das Schicksal eine interessante Wendung.
    Assassinen stürmen das Sklavenjägercamp, um den Nachfahren König Richard Löwenherz' aufzuspüren und zu beseitigen - und nun ratet mal wer die gesuchte Person ist!
    Glücklicherweise sind die Auftragskiller nicht die Einzigen die um unsere Identität wissen - niemand geringeres als Leonardo da Vinci eilt uns zu Hilfe, um uns mittels magischer Teleportation sicher nach Barcelona zu befördern.
    Fortan nehmen wir unser Schicksal und Erbe von Richard dem Ersten in die eigenen Hände ...


    So originell und interessant das Szenario ausfällt, so langweilig ist die eigentliche Spielhandlung.
    Ein unbekannter Feind macht Jagd auf einige historische Artefakte wie der Heiligen Lanze oder der Dornenkrone Jesu.
    Klar, dass diese Reliquien nun für irgendetwas böööses herhalten sollen.
    Und obwohl ich mir nicht die Mühe gemacht habe das Spiel durchzuspielen, bin ich mir doch sehr sicher das oben erwähnter Hexer dahintersteckt, um eine zweite Spaltung hervorzurufen.
    Na, wenn das mal keine uninspirierte 08/15 Handlung unterster Schublade ist, weiß ich auch nicht weiter.
    Ganz großes „Gääähn“ an dieser Stelle, ist ja nicht so, dass die Story zumindest halbwegs interessant präsentiert werden würde.

    Immerhin trifft man im Verlauf der Queste auf einige historische Persönlichkeiten, wie z. B. bereits erwähnten Leonardo da Vinci, William Shakespeare oder Marco Polo.
    Es hat durchaus etwas für sich Shakespeares Muse aus den Klauen eines raffgierigen Geldverleihers zu erretten oder Leonardo da Vinci dabei zu helfen, die Bauteile für eine mechanische Armprothese für den verstümmelten Conquistador Hernando Cortés zu beschaffen.
    Und vielleicht hätte man über die schwache Grundhandlung hinwegsehen können, wenn man die Qualität und Anzahl der Nebenquests konsequent bis zum Ende des Spieles durchgezogen hätte - hat man aber leider nicht.
    Nach der ersten Spielhälfte geht es nämlich fast nur noch darum der langweiligen Story zu folgen, während die Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten und damit verbundenen Quests in den Hintergrund treten. Schade.



    Gameplay:
    Das Spiel beginnt - wie jedes vernünftige West-RPG - mit der Charaktergenerierung.
    Acht vorgefertigte Figuren gewähren einen schnellen Einstieg ins Spiel, aber wer nimmt die schon?
    Statt ein eigenes System zu kreieren, hat man für Lionheart das SPECIAL-System der Fallout-Spiele übernommen und etwas modifiziert.
    So stehen hier, zusätzlich zu den Möglichkeiten aus Fallout, vier verschiedenen Rassen, sowie drei unterschiedliche Geisterpartner zur Auswahl.
    Je nach Wahl, variiert dabei natürlich das eigene Spielerlebnis ein wenig, da ein reinblütiger Mensch weniger Anfeindungen erdulden muss, als etwa ein Tiermensch usw.
    Leichte Unterschiede bezüglich der Talente und dergleichen wollen natürlich auch bei der Rassenauswahl bedacht werden - das übliche eben.
    Letztendlich kann sich aber jeder Char ganz klassisch auf Krieger, Dieb oder Magier spezialisieren (oder halt auf eine Mischung aus allem).
    21 unterschiedliche Fähigkeitsbereiche, welche u. a. Nah- und Fernkampf, Schlösser-Knacken, Diplomatie und drei verschiedene Magieklassen umfassen, bieten jedenfalls mehr als genügend Raum dafür sich seine individuelle Spielfigur zusammen zu basteln.
    Unterm Strich ist die Charaktergenerierung ähnlich gut gelungen wie im großen Vorbild, auch wenn diese ganzen Fähigkeiten etwas zu sehr in Menüs verschachtelt wurden - dies wurde in Fallout wesentlich übersichtlicher gehandhabt.

    Steuerung und Interface geben sich gewohnt routiniert.
    Mit der Maussteuerung und dem Interface (welches sich auch ausblenden lässt) lässt sich alles relevante recht bequem managen, während Hotkeys einen schnellen Zugriff auf die Menüs, die Karte, ausgerüstete Heiltränke usw. garantieren.
    Einige Kratzer im Lack gibt es aber dennoch.
    So ist die direkte Steuerung der Kamera via Pfeiltasten irgendwie schwammig ausgefallen.
    Da bin ich von Seiten der Infinity-Engine-Games einfach besseres gewohnt.
    Die Möglichkeit, die Kamera dauerhaft auf die eigenen Spielfigur zentrieren zu können relativiert diesen Makel aber wieder etwas.
    Weniger leicht kommt mir aber die unausgereifte Pause-Funktion davon.
    Wer einmal Baldur's Gate gespielt hat weiß, dass es sich hierbei um ein sehr wichtiges strategisches Element handelt, um innerhalb der Echtzeit-Gefechte seinen Spielfiguren ohne Zeitdruck Befehle zuzuweisen.
    Dummerweise funktioniert dies hier aber nicht.
    Man kann während des Pause-Modus zwar Heiltränke einnehmen und umrüsten, aber keinerlei Kampfbefehle eingeben - warum das so ist wissen wohl nur die Programmierer.
    Auf jeden Fall wurde somit der eigentliche Sinn dieser Funktion ausgehebelt.

    Das eigentliche Spiel kann man in zwei Hälften unterteilen:
    Die erste Spielhälfte ist noch recht gelungen, da man in und um Barcelona herum sehr viele Quests annehmen kann, um seinen Charakter aufzuleveln, Geld für neue Ausrüstung zu verdienen oder einfach nur Abenteuer zu erleben.
    Sehr schöne Erinnerungen an BG wurden hierbei wach, vor allem da sich viele Quests auf unterschiedliche Weise lösen lassen.
    Oftmals muss man sich zwischen zwei oder drei Parteien entscheiden, wobei hier nicht immer nur stur zwischen Gut und Böse getrennt wird.
    Kommt man nämlich mit den Steinriesen ins Gespräch die Toulouse dem Erdboden gleich gemacht haben, kann sich recht schnell ein tiefsinniges Gespräch um Recht und Moral ergeben - beinahe kam hier echtes PST-Feeling auf.
    Aber nur beinahe, denn die zweite Spielhälfte reißt wieder alles ein, was die Erste aufgebaut hat ...
    In dieser verkommt das Spiel nämlich zu einer stumpfsinnigen Metzelorgie durch - bis an den Rand mit Feinden vollgestopfte - Maps und Dungeons.
    Das hierbei die Questvariablen, sowie die recht ausführlichen Dialoge der ersten Spielhälfte völlig auf der Strecke bleiben dürfte klar sein.
    Wobei jedoch das eigentliche Problem beim untauglichen Kampfsystem zu suchen ist, womit wir beim großen Schwachpunkt von Lionheart angelangt wären.

    Hand aufs Herz, die Kämpfe in Lionheart sind stinklangweilig.
    Gegner anvisieren, Angiffsbefehl geben und zuschauen - anders laufen die Kämpfe nicht ab.
    Als Magier wird es immerhin etwas aktiver, da man Zauber in Eigenregie abfeuern muss.
    Das wirkliche Problem ist aber wohl der enorm träge Ablauf der Kämpfe.
    Vor allem gegen Ende des Spieles, wenn man erstmals auf härtere Gegner trifft, ziehen sich die Prügeleien unglaublich in die Länge, ein Kampf gegen einen einzelnen, regulären(!) Feind kann sich da schon mal über eins, zwei Minuten hinziehen.
    Wo man in einem richtigen Hack'n'Slay innerhalb kurzer Zeit ganze Gruppen von Monstern ins Jenseits befördert, wartet hier eine enervierende Sisyphusarbeit auf den Spieler, welche einfach nur langweilt und nervt.
    Und bitte begeht jetzt nicht den Fehler starke Gegner mit anspruchsvollen Kämpfen gleichzusetzten!
    Die Kämpfe werden gegen Ende hin zwar durchaus schwierig, erfordern aber an keiner Stelle den Einsatz der kleinen grauen Zellen - die Hit & Run-Taktik ist hier schon das höchste der Gefühle.
    Ein weiteres Problem ist auch das katastrophale Teammanagement.
    Was nützen mir rekrutierbare NPCs, wenn diese nicht aufleveln können, über einen von Beginn an zu niedrigen HP-Spiegel verfügen und ich noch nicht einmal Einfluss auf deren Ausrüstung und Kampfkommandos nehmen kann?
    Sogar das sechs Jahre ältere Fallout, wo man ebenfalls mit dieser Begleiter-Problematik zu kämpfen hatte, bot hier mehr Möglichkeiten!
    An dieser Stelle wurde gewaltigst geschlampt, und es gibt absolut keine Entschuldigung für diesen Fauxpas.

    Für zusätzlichen Ärger sorgen obendrein noch viele nervige Detailmacken.
    So ist es unglaublich umständlich an Heiltränke heranzukommen, da jeder Händler immer nur ein paar von denen feilbietet.
    Dies führt natürlich dazu, das jeder Händler einzeln abgeklappert werden muss, um sich zumindest einen kleinen Vorrat zu sichern.
    Und falls einem dieser Vorrat inmitten eines weitläufigen Dungeons ausgeht, hat man Pech gahabt, da es natürlich keinen Teleportzauber oder vergleichbares gibt, mit dem man sich schnell zwischen Siedlung und Dungeon hin und her bewegen kann.
    Das Ergebnis dieser Problematik sind lange Laufwege und gerissene Geduldsfäden.
    Weiterhin ärgerlich ist die Karte, auf der keine Markierungen wichtiger Orte gesetzt werden, geschweige denn das man selber Markierungen setzen könnte.
    Und ja, all diese Features gab es bereits in anderen Spielen wie Diablo oder PST.
    Ich könnte noch einige weitere Mängel aufzählen, belasse es an dieser Stelle aber einfach mal dabei ...

    Für ein Spiel das Jahre nach oben genannten Klassikern erschienen ist und auch noch mit einem großen Namen wie Black Isle protzt, kann man schon erwarten, das Elemente wie ein strategisch anspruchsvolles (bzw. flottes, actionreiches) Kampfsystem, oder ein gelungenes Teammanagement vorhanden sind.
    Alles andere ist einfach inakzeptabel.
    Müsste ich nur die zweite Spielhälfte bewerten, könnte ich das Spiel einfach als Softwaremüll abhaken, so aber ist es einfach nur eine ärgerliche Verschwendung von Potential.
    Die erste Spielhälfte wusste nämlich, trotz der eklatanten Mängel, durchaus zu gefallen, auch wenn zu keinem Zeitpunkt etwas herausragendes geboten wurde.
    Letztendlich ist Lionheart jedoch nur ein verquerer Mischmasch aus Baldur's Gate, Fallout und Diablo, wobei keinem dieser Spiele auch nur ansatzweise das Wasser gereicht wird. Sehr enttäuschend.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: Das Spiel präsentiert sich in einer sauberen, wenn auch etwas starren isometrischen 2D-Grafik.
    Die Maps der Außen-Gebiete wurden ganz gut gestaltet und bieten so manches schöne Detail, während die Dungeon-Maps in erster Linie durch Eintönigkeit und mangelnde Highlights langweilen.
    Etwas irritierend ist hier der sporadische Einsatz von Animationen: So gibt es z. B. Flaggen- und Flammenanimationen, während das Laub der Bäume unbeweglich bleibt.
    Ich möchte mich jetzt nicht groß darüber beschweren (was auch etwas unfair wäre), es ist mir nur relativ früh im Spiel negativ aufgefallen.
    Was ich hingegen ohne weiteres kritisieren kann, ist die niedrige Auflösung von 800x600 Bildpunkten, diese war schon damals einfach nicht mehr zeitgemäß.
    Na immerhin wirken die Charaktermodelle etwas detaillierter, als man es von älteren Iso-RPGs gewohnt ist.
    Letztendlich sollte man sich natürlich auch darüber bewusst sein, dass die Grafik bereits zum Release schlicht und einfach veraltet war.
    Um den visuellen Aspekt von Lionheart genießen zu können, sollte man schon Fan altmodischer isometrischer Grafiken sein.
    Den Detailgrad eines Baldurs Gate II kann der Titel aber zu keinem Zeitpunkt erreichen.

    Sound: In akustischer Hinsicht ist mir der Titel eher negativ in Erinnerung geblieben.
    Zunächst wird einem auffallen, dass man sich bei Interplay nicht einmal die Mühe gemacht hat eine deutsche Sprachausgabe anzubieten.
    Zwar wurden die englischsprachigen Sprecher sehr gut besetzt, aber eine hochwertige deutsche Synchronisation war zu diesem Zeitpunkt absoluter Genre-Standard - man merkt das es nur darum ging etwas Geld zu sparen. Schwach.
    Aber auch beim OST hat man wohl nicht sonderlich tief in die Kasse gegriffen.
    Zwar klingen die Melodien anfangs sehr eingängig und schön, nerven aber recht schnell durch ständige Wiederholung.
    Irgendwann kann man sich die ruhigen, spanischen Gitarrenklänge aus dem Startscreen (welche auch regelmäßig im laufenden Spiel verwendet werden) einfach nicht mehr anhören und wünscht sich entsprechende Abwechslung.
    Natürlich gibt es mehrere Tracks im Spiel, aber sie alle klingen nach einer Weile ziemlich ausgelutscht und verbraucht.
    Ein guter OST macht sich eben auch dadurch bemerkbar, dass er auch nach unzähligen Stunden immer noch schön klingt, oder einem zumindest nicht auf die Nerven geht.
    Auch in diesem Punkt kann der Titel nicht wirklich überzeugen.

    Präsentation: Solange man seine Ansprüche nicht allzu hoch ansetzt, ist der Titel recht solide.
    Mit diesem Satz spiele ich jedoch weniger auf das Alter des Grafikstiles und ähnliches an, als vielmehr auf genretypische Feinheiten: Wer erwartet das Barcelona ähnlich prunkvoll ausfällt wie die Stadt Atkatla aus BG II, wird ebenso enttäuscht werden wie derjenige der sich detailverliebte Todesanimationen eines Fallout erhofft.
    Gut gefallen hat mir hingegen das Stimmengewirr im Hintergrund besiedelter Gebiete.
    Je nachdem in welchem Land man unterwegs ist, hört man dort spanische oder französische Gesprächsfetzen.
    Auch andere Feinheiten, wie originalgetreue Portraits der historischen NPCs oder typisch-spanische Rüstungen und Helme, helfen dem Spieler dabei sich daran zu erinnern, dass er hier nicht in irgend einer Fantasywelt unterwegs ist, sondern auf Mutter Erde.
    Leider gelingt es dem Spiel nicht wirklich diesen Gedanken konsequent aufrecht zu erhalten.
    Letztendlich war Lionheart für mich nur ein Iso-RPG unter vielen.
    Es ist also etwas schiefgelaufen, denn wenn man schon mit solch einem speziellen Szenario aufwartet, dann sollte man dieses auch gekonnt ausschöpfen - was jedoch leider nicht geschehen ist.
    Aber wie gesagt, die Präsentation als solche ist durchaus solide, mehr aber auch nicht.



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - Charaktergenerierung nach SPECIAL-System
    - originelles Szenario
    - variable Quests zu Beginn des Spieles

    Kontra:
    - sehr langweiliges und träges Kampfsystem
    - wird ab einen gewissen Zeitpunkt viel zu kampflastig
    - langweilige 08/15 Story
    - zahlreiche Detailmacken



    Fazit:
    Wenn ein Spiel versucht die besten Zutaten bereits bestehender Game-Franchises herauszupicken, um diese miteinander zu verschmelzen, kann man wohl einen echten Top-Titel erwarten.
    Leider ist Lionheart schon von Beginn an alles andere als herausragend.
    Ist jedoch nur halb so schlimm, denn trotz der ganzen Macken war der Titel doch recht spielenswert ... allerdings nur in der ersten Spielhälfte!
    Ab einem gewissen Spielzeitpunkt, zeigt uns „Legacy of the Crusader“ nämlich sein zweites, hässliches Gesicht: Ein mittelmäßiges Hack'n'Slay-RPG mit eklatanten Fehlern, welche in dieser Form einfach inakzeptabel sind.
    Mit diesem Spiel hätte man der Iso-RPG-Ära zu einem schönen Abschluss verhelfen können.
    Dummerweise legten sich die Leute von der Schwarzen Insel auf die faule Haut, während Reflexive nur die Rohfassung eines guten Spieles zusammenprogrammierten.
    Ab und zu mal den „Anderen“ über die Schulter zu schauen reicht eben nicht aus, Black Isle.
    Ausgiebiges Probespielen mit anschließendem Feinschliff wäre hier absolut notwendig gewesen - leider hat man diese zusätzliche Arbeit scheinbar gescheut.
    Was bleibt ist ein interessantes Spiel, welches anfangs durchaus unterhaltsam ist, aber letztendlich nur langweilt und dafür sorgt, dass die alten BG-, FO- oder Diablo-Disks aus dem Schrank hervorgekramt werden ...



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 6
    Sound: 6,5
    Steuerung: 7,5-8
    Umfang: 8,5
    Story: 6,5-7
    Spielspaß: 6-6,5
    Gesamtwertung: 6-6,5
    Geändert von Fukyù (18.1.13 um 12:33 Uhr)

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