Zeige Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Revenant

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
    Im Spiele-Forum seit
    Mar 07
    Beiträge
    1.307

    Revenant

    Revenant




    Entwickler: Cinematix Studios
    Publisher: Eidos Interactive
    System: PC
    Genre: Action-RPG
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen (empfohlen):
    P266 (Pentium II)/ Windows 95, 98 (XP mit Patch, friert aber oft ein) / 64 MB RAM / Grafikkarte 8 MB / 440-770 MB Festplattenspeicher / CD-Rom Laufwerk

    Anmerkung:
    Auch hier danke ich wieder Syron für die freundliche Unterstützung das Spiel zum laufen zu bekommen.
    Am Ende des Reviews findet ihr eine kleine von mir und Syron zusammengestellte Anleitung, wie man Revenant unter modernen Betriebsystemen wie Windows XP und Vista zum Laufen bekommt, have fun!



    Einleitung:
    ''Hey, guckt alle her, ein weiterer Diablo-Klon'', so die - von mir überspitzt ausgedrückte - Kernaussage vieler anderer Revieweinleitungen, die ich zu dem im Jahre 1999 veröffentlichten Revenant gelesen habe.
    Dabei ist gerade dies ein Kritikpunkt der eben nicht auf diesen Titel zutrifft!
    Zwar liegt auch in Revenant der Fokus auf actionreichen Kämpfen gegen zahlreiche böse Buben, Monster und Dämonen, aber abgesehen davon bietet der Titel genügend Eigenständigkeit, um das Zertifikat - Klon - klar zu umgehen.
    Gerade das Kampfsystem bietet hier nämlich wesentlich dynamischere und anspruchsvollere Kämpfe als das ach so tolle Diablo mit dem das Spiel immer wieder verglichen wird.
    Nein, die eigentlichen Probleme von Cinematix' Action-RPG liegen ganz woanders, nämlich hauptsächlich beim Publisher Eidos Interactive.
    Dieser sah sich seinerzeit nämlich dazu gezwungen an allen Ecken und Enden Einsparungen vorzunehmen, da ein anderes von Eidos Interactive vertriebenes Spiel, Daikatana, gnadenlos floppte und somit ein Loch in deren Finanzplanung hinterließ.
    Infolgedessen wurde Revenant völlig überhastet veröffentlicht, so dass den Cinematix Studios die Möglichkeit verwehrt blieb, den Titel mit allen geplanten Features auszustatten und den nötigen Feinschliff vorzunehmen.
    Ungüstige Voraussetzungen also für dieses Action-RPG.
    Ob dennoch ein brauchbares Stück Software daraus geworden ist?



    Story:
    Die Handlung spielt in der Fantasywelt ''Ur''.
    Diese wurde einst vor unzähligen Jahrtausenden von egoistischen Gottheiten beherrscht, die sich unter dem Deckmantel von Gut und Böse gegenseitig an die Gurgel gingen.
    Die Konsequenz dieses Götterkrieges war eine (fast) vernichtete, von Monstern und wilden Bestien bevölkerte, Welt, mit derer die Götter nichts mehr anzufangen wussten und daher ihre Schöpfung Ur einfach hinter sich ließen und weiterzogen.
    Die Menschen, die diesen Kataklysmus überlebten, formten im Laufe der Zeit neue Königreiche, Imperien und Fürstenhäuser.

    Eines der kleineren und unbedeutenderen Fürstenhäuser, Averam, liegt auf der Insel Akhuilon, welches dieser Tage vom dem beliebten Fürsten ''Tendrick Averam'' regiert wird.
    Leider wird Tendricks Herrschaft des Friedens und Wohlstandes in letzter Zeit von einem mysteriösen Kult, der sich ''Die Kinder der Veränderung'' nennt, gestört.
    Dieser entführt die Einwohner von Misthaven, um eben diese mittels Gehirnwäsche in die eigenen Reihen einzugliedern.
    Und als ob das nicht schon schlimm genug ist, haben sie auch noch Tendricks Tochter Andria entführt.
    Da seine Ritter und Soldaten machtlos gegen die magischen Fähigkeiten der Sektenpriester sind, sieht sich Tendrick gezwungen mithilfe des zwielichtigen Magiers Sardok einen sogenannten ''Revenant'' aus der Hölle Anserak heraufzubeschwören.

    Revenants waren zu ihren Lebzeiten wirklich fähige Leute ihres Faches, weswegen sie auch aus eben diesen Fähigkeiten von den Toten zurückgeholt werden, um nach der wiedererlernung ihrer Kenntnisse ihren Herren fortan als perfekte Sklaven zu dienen.
    Leider verlieren diejenigen, die auf diese Weise beschworen werden ihre Erinnerungen, und werden ferner noch mit einer Art magischen Fluch belegt, der sie dazu zwingt die Befehle ihres Herren bedingungslos auszuführen, ob sie wollen oder nicht.
    Da sie über keine eigene Persönlichkeit mehr verfügen, erhalten männliche Revenants üblicherweise den Namen ''Locke'' was so viel wie ''der Namenlose'' bedeutet.
    Ihre Nachnamen setzen sich aus den Fürstenhäusern zusammen, denen sie nun dienen müssen.

    Nachdem er also seit unzähligen Jahren in der Hölle schmorte wird Locke D'Averam, dem ohnehin nur noch Fetzen seiner Erinnerungen im Kopf spuken, aus Anserak befreit, um fortan für Tendrick als Kriegersklave herzuhalten.
    Aber dieser Revenant ist anders.
    Es gelingt ihm den Fürsten davon zu überzeugen in die Freiheit entlassen zu werden, wenn es ihm gelingt Andria zu retten und die ''Kinder der Veränderung'' auszulöschen.
    Es gibt also noch Hoffnung auf ein besseres Leben für unseren miesepetrigen Untoten Locke.
    Aber zunächst muss er erst einmal den selbstmörderischen Priester vernichten, der unerlaubt in Sardoks Beschwörungskammer eingedrungen ist...


    Unterm Strich haben wir es hier mit einer typischen ''Übermächtiger Held plättet Monster, Dämonen etc., um ein Königreich und eine Prinzessin zu retten''-Story zu tun.
    Was Revenant interessant macht, ist die komplexe Hintergrundgeschichte der Spielewelt, die im Handbuch und der Bibliothek, welche man im Spiel aufsuchen kann, wesentlich ausführlicher und detailierter dargestellt wird, als ich es hier getan habe.
    Auch der zwielichtige Protagonist, der wider erwarten über eine eigenständige und durchaus symphatische Persönlichkeit verfügt, hebt die Qualität der eigentlich ausgelutschten Handlung nochmals um ein kleines bisschen an.
    Selbiges gilt auch für einige der NPC's denen man im Spiel begegnet und deren Rolle im Spiel aufgrund von Eidos Einsparungen nicht völlig zum Tragen kommt.
    Es hat nämlich den Anschein, das Locke ursprünglich ein paar Teamkameraden zur Verfügung gestellt werden sollten.
    Man trifft im Spiel nämlich auf drei NPC's die man bitten kann Locke zu begleiten, woraufhin man von diesen aber grundsätzlich vertröstet wird.
    Sogar im Artwork der Installation sieht man wie Locke zusammen mit oben angesprochenen Chars einen Steingolem bekämpft.
    Hier hätten wir also schon einmal den ersten negativen Aspekt der Kürzungen.
    Was hätte man noch alles aus der Story, Charakteren und sogar dem Gameplay an sich herausholen können, wenn man Cinematix genügend Zeit gegeben hätte?

    Die paar Storytwists der sehr geradlinigen Handlung sind jedenfalls relativ vorhersehbar und motivieren nicht wirklich zum Weiterspielen.
    Und das Ending fällt hier natürlich eher tragisch und offen aus, um einen eventuellen Nachfolger zu rechtfertigen (der allerdings bis heute nicht das Licht der Welt erblickt hat).

    Alles in allem ist die Handlung nur Durchschnittsware, garniert mit ein paar Lichtblicken wie dem coolen Mainchar. Es wäre hier durchaus mehr drin gewesen, wenn Eidos ...



    Gameplay – Steuerung und Kampfsystem:
    Revenant wird sowohl mit der Maus, als auch mit der Tastatur gespielt.
    Mit der linken Maustaste werden Aktionen durchgeführt, wie Gespräche einleiten, Türen öffnen oder natürlich Gegner attackieren.
    Die Spielfigur (Locke) dirigiert man mit der rechten Maustaste durch die Umgebung (man muss die rechte Maustaste hierbei gedrückt halten, was anfangs etwas ungewohnt ist).
    Locke kann auch rennen, um z. B. vor übermächtigen Gegnern zu flüchten (R-Taste der Tastatur).
    Das Interface am unteren Rand des Bildschirmes bzw. das Menü auf der rechten Seite, können entweder komplett mit der Leertaste aktiviert bzw. deaktiviert werden, oder separat mit den Tasten B und V.
    Der Tastenblock F1-F4 dient als Hotkey für vier festgelegte Zaubersprüche, während die Tasten F5-F9 als Hotkeys für Items wie Nahrungsmittel oder Heiltränke dienen.
    Mit der C-Taste zückt Locke seine Waffe, oder steckt sie beiseite (letzteres passiert auch automatisch wenn ein Gespräch eingeleitet wird, oder Locke eine bestimmte Aktion ausführt wie das öffnen einer Tür).
    Die X- und Y-Tasten werden für den Einsatz des Bogens benötigt (mit X den Bogen ziehen und mit Y die Pfeile verschießen).
    Der Bogen kommt allerdings nur an einer Stelle im Spiel wirklich zum Einsatz (zumal ich auch nur 50-Pfeil Munition in meinem Spieldurchlauf gefunden habe, von denen ich die Hälfte für besagte Stelle benötigte!), so dass es sich hierbei um ein weiteres unausgereiftes Feature von Revenant handelt, dem ursprünglich wohl wesentlich mehr Inhalt zugedacht war.

    Aber gehen wir nun auf das Kampfsystem ein.
    Neben Lockes Konterfei links-oben sieht man drei Balken:
    Rot für Lebenspunkte (beim kompletten Verlust ebendieser heißt es natürlich Game Over), blau für Manaenergie (zum Zaubern), und der gelbe Konditionsbalken.
    Ein physischer Angriff kostet hier nämlich eine bestimmte Anzahl an Konditionspunkten, die sich zwar sehr schnell wieder regenerieren, aber in der Hitze des Gefechts auch sehr schnell verbrauchen.
    Wenn dies passiert sollte man abblocken (F-Taste), oder den Gegner geschickt umkreisen und seine Attacken umgehen, bis sich die Kondition wieder etwas regeneriert hat.
    Erblickt man mit gezückter Waffe einen Gegner, wendet sich Locke diesem nämlich automatisch zu, wodurch sich oben angesprochene Taktiken wie blocken und kontern oder ausweichen und umkreisen problemlos in die Tat umsetzen lassen.
    Zwar kann dieses System auch mal problematisch werden, wenn man gegen zwei oder drei Feinde auf einmal kämpfen muss, aber insgesamt war dieses ''Fixieren auf einen Gegner'' ein cleverer Schritt im Kampfsystem (man kann dieses System aber auch im Options-Menü deaktivieren, aber das habe ich in der Praxis nicht ausprobiert).
    Für Standard-Angriffe stehen uns drei verschiedene Attacken zur Verfügung die entweder viel Schaden anrichten, aber dafür auch Locke's Kondition stärker beeinträchtigen, oder eben wenig Schaden anrichten und wenig Kondition verbrauchen.
    Benutzt man die linke Maustaste im Kampf, werden diese drei Standard-Attacken per Zufallsprinzip angewandt.
    Mit Hilfe der Tasten A, S und D, lassen sich diese Schlag-Varianten genau festlegen, womit man eine größere Kontrolle über den Kampf erhält.
    Beseitigte Gegner bringen einem natürlich Erfahrungspunkte ein, mit denen man auflevelt.
    Desweiteren droppen sie auch Gold und Items, welche man mit der G-Taste aufsammeln kann.
    Hat man drei Level-Ups hinter sich gebracht, empfiehlt es sich in die Stadt Misthaven zurückzukehren, um beim dortigen Kampfmeister namens Jong eine neue Angriffstechnik für Locke zu erlernen.
    Auf diese Weise schaltet man neue Moves frei, die zum Teil mit den Tasten Q, W und E eingesetzt werden müssen.
    Spätestens hier kommt man mit der Maus alleine nicht mehr weiter.
    Zwar lassen sich die Gefechte auch durch planloses Drauflosklicken und geschicktes Blocken (Blocken ist hier ein absolutes Muss) meistern, doch wird man es etwas leichter haben, wenn man die ganzen Kampftechniken einigermaßen beherrscht.

    Wer keinen Bock auf reguläre Kämpfe hat, kann auch auf Magie zurückgreifen.
    Neben den obligatorischen Heil- und Angriffszaubern, gibt es auch Magie die die eigenen Fertigkeiten temporär steigert oder die Statuswerte kurzfristig erhöht.
    Man hat also etwas Spielraum, ob man sich als Krieger oder Magier durchkämpfen möchte.
    Am wirksamsten ist natürlich eine Mischung aus beidem.

    Erwähnenswert ist noch, dass die Gegner in Revenant respawnen.
    Dies bringt einerseits den Vorteil, dass man hier und da etwas Level- und Moneygrinding betreiben kann, bringt aber andererseits auch den Nachteil, dass die ganzen nervigen Gegner zurückkehren, wenn man in einem weitläufigen Dungeon mal wieder die falsche Abzweigung genommen hat.
    Also ein recht zwiespältiges Feature.
    Ganz abgesehen davon findet man in der Stadt natürlich auch diverse Shops vor, in denen man sich mit Waffen, Ausrüstung und Heiltränken eindecken sollte, um den immer härter werdenden Gegnern Paroli bieten zu können (genügend Gold vorausgesetzt).



    Gameplay – Das Menü:
    Circa ein Drittel des Bildschirmes wird vom Menü abgezwackt, welches am rechten Bildrand liegt.
    Dort findet man sechs Menüunterpunkte die alle relevanten Bereiche abdecken.
    Geordnet vom obersten bis zum untersten Menüpunkt:

    Zauberliste: Hier findet man eine Liste aller bis dato erlernter Zaubersprüche vor, die man auch aus der Liste in einen der Hotkey-Slots des unteren Bildinterface' hineinziehen kann.
    Um neue Zaubersprüche zu erlernen, benötigt man magische Talismane die sich hauptsächlich in Schatztruhen der Spielewelt finden lassen.
    Jetzt gilt es die Talismane im Menü korrekt anzuordnen und diese Kombination zu bestätigen, um den Zauber zu wirken und ihn in die Liste einzutragen.
    Für die, die keine Lust haben planlos nach neuen Kombinationen zu suchen, gibt es Schriftrollen mit den korrekten Talisman-Kombinationen zu finden.

    Status und Fertigkeiten: Hier werden alle Statuswerte dargestellt.
    Neben den generellen Werten wie LP, MP und gesammelter Erfahrungspunkte, sind vor allem die sechs Statusbereiche Stärke, Konstitution, Beweglichkeit, Reflexe, Geist und Glück interessant.
    Dieses Menü dient nämlich dazu zu kontrollieren, welche dieser Bereiche beim nächsten Level-Up verbessert werden sollen.
    Man kann zwei (bzw, einen nachdem man den fünfzehnten Level erreicht hat) der oben genannten Bereiche mit einem + kennzeichnen, damit diese dann aufgestuft werden.
    Auf diese Weise kann man bestimmen in welche Richtung sich Locke entwickeln soll (Kämpfer, Magier etc.).
    Man kann auch noch ein zweites Menü aufrufen, welches anzeigt wie es um die Fertigkeiten steht.
    Von den zehn Fertigkeiten die hier angezeigt werden, haben es aber eigentlich nur sechs ins fertige Spiel geschafft (Beschwören, Nahkampf, Schwert, Schlagwaffen, Äxte und Schlossknacken), die übrigen vier (Angriff, Abwehr, Messer und Bogen) können getrost ignoriert werden, da sie zu dem unfertigen bzw. komplett gestrichenem Material gehören, welches ich in der Einleitung erwähnte.
    Sinn dieser Tabelle ist es zu vermitteln wie geübt Locke in der entsprechenden Fertigkeit ist.
    Kämpft man also viel mit dem Schwert, wird sich diese Fertigkeit verbessern und mit der Zeit in höhere Stufen aufsteigen, so das man mehr Schaden mit Schwertern anrichtet, mehr Treffer landet etc.
    Gerade bei ''Beschwören'' ist dies wichtig, da man neue Zauber nur dann erlernen kann, wenn man ein bestimmtes Niveau in diesem Bereich erlangt hat.

    Ausrüstung: Hier kann man Lockes aktuelle Ausrüstung anschauen, und ihn natürlich umrüsten.
    Es gibt 11 verschiedenen Körperbereiche die hier mit Rüstungen, Accessoires usw. belegt werden können.

    Magischer Beutel: Dasselbe wie die Zauberliste (wie gesagt, mangelnder Feinschliff).

    Rucksack: Hier werden alle erbeuteten oder gekauften Items gelagert.
    Vorsicht ist allerdings geboten, denn wer planlos vorgeht findet sich bald in einem heillosen Durcheinander wieder.
    Es werden nämlich alle Gegenstände in einem einzigen unendlich großen Bereich reingeschmissen.
    Dem kann man aber zum Glück entgegenhalten, indem man Lederbeutel kauft oder findet.
    Mit diesen kann man nämlich das Sammelsurium aus Rüstungen, Waffen und Nahrungsmitteln selbst organisieren.
    Das Programm ist sogar clever genug ein System zusammenzustellen, soll heißen, wenn der erste Gegenstand den man in einem Beutel lagert ein Trank ist, werden alle übrigen Tränke die man ab jetzt findet ebenfalls in diesem Beutel gelagert.
    Zugegebenermaßen ein ziemlich wirres System, aber wenn man es erst einmal durchschaut hat (was nicht schwer ist) herrscht selbsterstellte Ordnung im Inventar.
    Nutzbare Items wie Tränke und Nahrung lassen sich übrigens auch in einem Hotkey bereitstellen.

    Karte: Erklärt sich eigentlich von selbst, eine Automap wird angezeigt die die Orientierung erleichtert und vor Gegnern warnt, die sich in der Nähe befinden.
    Locke wird auf der Karte als grüner Punkt angezeigt, freundliche NPC's als blaue Punkte, und Feinde als Rote.



    Gameplay – Negative Kritik:
    Hier noch einige Dinge im Gameplay, die mir missfallen haben:
    Trotz des gelungenen Kampfsystems ist Revenant für meinen Geschmack etwas eintönig ausgefallen.
    Man hat zwar versucht die Dungeons mit kleineren Rätseln und Fallen aufzupeppen, aber unterm Strich geht es hier klar ums Kämpfen.
    Kampfhandlungen sind stellenweise aber auch etwas unausgegoren, einige Zauber sind nämlich ganz schön übermächtig ausgefallen und es gibt genügend Manaheiltränke zu kaufen und zu finden, so das man es stellenweise leichter haben wird als es wohl eigentlich gedacht war (den finalen Bossgegner habe ich z.B. besiegt indem ich ihn gnadenlos mit Feuerbällen zugespammt habe -ein Finger auf dem Feuerball-Hotkey, zwei weitere auf den entsprechenden Heiltrank-Hotkeys-, so etwas darf einfach nicht sein).
    Wer sich also clever anstellt, wird hier keine Probleme haben durchzukommen.
    Leider bietet das Spiel auch keinerlei Wiederspielwert in Form von höheren Schwierigkeitsgraden und dergleichen an.
    Und der Umfang ist für einen ''Einmal durch und man hat alles gesehen''-Titel generell etwas zu kurz geraten.
    All dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich das Spiel zulegen möchte.

    Ein Multiplayer-Modus wird übrigens auch angeboten, aber damit habe ich mich als Solo-Spieler nicht beschäftigt.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    Anmerkung: Das Spiel lässt sich auch mit 3D-Figur-Modellen spielen, aber diese müssen auf XP leider deaktiviert werden, um das Programm starten zu können.
    Dieser absatz des Reviews bezieht sich also nur auf die reine 2D-Darstellung der Grafik.


    Die Grafik präsentiert sich in isometrischer Perspektive bei einer Bildauflösung von 640x480.
    Es gibt hier und da einige wirklich schöne Details zu entdecken, wie der Kadaver eines riesigen Fisches oder die verstreuten Überreste einer gigantischen Statue.
    Auch die Zaubereffekte sowie die optisch sichtbaren Ausrüstungsmodifikationen sind positiv zu erwähnen.
    Allerdings muss auch gesagt werden, dass der Titel für ein Spiel aus 1999 etwas arg pixelig ausfällt.
    Das wenige Tage später veröffentlichte Septerra Core bot da z.B. wesentlich mehr fürs Auge.
    Auch wirken die Polygon-Modelle der Spielfiguren hier und da einen kleinen Tick zu klobig, ein Manko welches durch die tollen Animationen eben dieser allerdings wieder wett gemacht wird.
    Sehr seltsam sind die drei eigentlich großartigen Rendersequenzen, die von hässlichen Streifen durchzogen sind, aber das kann auch an der XP-Wurschtelei liegen die nötig war um das Spiel zum Laufen zu bekommen.
    Alles in allem empfand ich die Grafik als gut, aber keinesfalls herausragend.

    Beim Sound siehts ähnlich aus, er ist gut und stimmig, aber es bleibt einem absolut nichts im Kopf hängen.
    Lediglich das fantastische Intro-Theme sollte man sich definitiv einmal zu Gemüte führen.
    Bei der Sprachausgabe gibt es, abgesehen davon, dass ein, zwei belanglose NPC's nicht gerade mit guten Synchronstimmen brillieren, jedoch nichts auszusetzten.
    Die meisten Sprecher wurden gut gewählt und leisten saubere Arbeit.
    Wirklich schön hingegen sind die Geräusche, die die Monster und Feinde von sich geben.
    Ob nun das Gebrüll eines Drachen, oder die asiatisch klingenden Kampflaute der Ninjas, man fühlt sich hier gut unterhalten.

    In Sachen Präsentation fällt die Kritik allerdings schlecht aus.
    Es gibt leider zu viele Mängel innerhalb des Spieles zu finden.
    Das fängt bei fehlerhaften Flammenanimationen an (Die Flamme wird hier in einem schwarzen Umriss gezeigt, was sehr unfertig aussieht) geht bei einigen falsch bzw. überhaupt nicht vertonten Sätzen weiter und endet bei dem bereits angesprochenen herausgeschnittenen Material, welches sogar dem größten Newbie auffallen dürfte.
    Nein, man merkt ganz einfach, dass der Titel überhastet auf den Markt geschmissen wurde, und dies schlägt natürlich negativ auf die Gesamtpräsentation ein. Daumen Runter.



    Bugreport:
    Leider sind mir hier einige wirklich üble Bugs untergekommen:

    Am Schlimmsten war da der XP-exklusive Bug der das Spiel einfriert, so das man das Programm via Task-Manager beenden muss (ob das bei Vista und Windows 7 genauso ist, kann ich euch leider nicht sagen).
    Dieser Bug tritt manchmal in Kämpfen auf, wenn man einen Gegner beseitigt u.a.
    Es gibt nichts was man dagegen tun könnte außer regelmäßig abzuspeichern.

    Bug Nr. 2 ist dafür harmlos.
    Beim dritten Bossgegner, dem Ogrog-Champion, wird ebendieser Kampf nicht gestartet, wenn man mit offenen Menüs die Audienz mit dem Ogrog-König beginnt.
    Die Lösung hierfür lautet ganz einfach die Menüs bis zum Beginn des Bosskampfes zu schließen.

    Bug Nr. 3 ist der schräge im Bunde.
    Im Höhlen-Dungeon gibt es ein Schalterrätsel:
    Es müssen fünf Schalter umgelegt werden um fünf Gittertore zu öffnen.
    Allerdings sind zwei Schalter verbuggt, sie teleportieren Locke vor die Stelle des Tores welches sich öffnen sollte, was bei einem Schalter dazu führt, dass man in einer permanenten Sackgasse landet und nicht mehr weiterspielen kann.
    Der andere ''Schalterteleport'' hingegen bringt uns ans Ziel, so das man doch noch vorankommt.
    Nur blöd das unsere Spielfigur nach dem Transport unsichtbar ist und infolgedessen nicht mehr von den Gegnern gesichtet werden kann (übrigens ein netter Cheat um den ortsansässigen Bossgegner gefahrlos zu beseitigen).
    Aber auch dieser Zustand lässt sich aufheben indem man den Zauber ''Teleportieren'' anwendet.

    Abgesehen von diesen drei Bugs sind mir in dieser gepatchten Version, die unter dem Betriebssystem Windows XP lief, keine weiteren aufgefallen.
    Es muss jeder selbst entscheiden ob dies nun zumutbar ist, oder nicht.
    Den XP-Freeze-Bug werde ich allerdings nicht in die Endwertung einfließen lassen, da das Spiel nun einmal nicht für XP programmiert wurde (andernfalls hätte ich in der Endwertung gut 1-1,5 Punkte abgezogen. Behaltet das im Hinterkopf wenn ihr in Erwägung zieht den Titel auf XP zu spielen!).



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - dynamisches, eigenständiges Kampfsystem
    - interessanter Hauptcharakter
    - toller Maintheme beim Soundtrack
    - gut umgesetzte Systeme bei Magie, Level-Ups und Fähigkeiten

    Kontra:
    - gecancelte Inhalte
    - schlechte Kompatibilität mit modernen Betriebssystemen
    - trotz Patch etwas verbuggt
    - stellenweise recht unausgereifter Schwierigkeitsgrad
    - keine Highlights bezüglich Story und Szenario



    Fazit:
    Revenant ist ein ordentliches Action-RPG das in erster Linie an gecancelten Inhalten und mangelndem Feinschliff leidet.
    Schuld daran trägt der Publisher Eidos Interactive, der den Programmierern von Cinematix Studios die Gelegenheit verwehrte das Spiel vollständig fertig zu stellen.
    Zwar bietet der Titel dennoch einige schöne Glanzpunkte wie das Kampfsystem, doch ist es einfach zu offensichtlich, dass hier etwas nicht ganz rund gelaufen ist.
    Überall stolpert man über Fehler und Überreste dessen, was das Spiel in seiner ursprünglichen Form einmal werden sollte.
    Ich will gar nicht wissen wie mies sich die Leute bei Cinematix gefühlt haben angesichts dessen, was Eidos hier verbockt hat.
    Umso beeindruckender ist es jedoch das dennoch ein, wenn auch nur knapp, guter Titel daraus geworden ist.
    Meinen Respekt gegenüber den Cinematix Studios, und meine Verachtung gegenüber Eidos Interactive.



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 7
    Sound: 8
    Steuerung: 8
    Umfang: 5
    Story: 6
    Spielspaß: 7
    Gesamtwertung: 7
    Geändert von Fukyù (18.1.13 um 13:54 Uhr)

  2. #2
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
    Im Spiele-Forum seit
    Mar 07
    Beiträge
    1.307
    Revenant unter Windows XP:
    Ah ja, Revenant ist eines der Spiele die unter XP besonders rumzicken.
    Nach etwas Internet-Recherche und Syrons Fachkenntnis ist es mir aber gelungen das Spiel dennoch zum Laufen zu bekommen.
    Und hier unsere kleine Anleitung:

    1. Das Spiel ganz normal mit der ersten CD installieren.
    Man wird dann bereits gefragt, ob man es starten möchte, aber das klappt (noch) nicht.

    2. Direkt dem Ordner von Revenant, der bei Installationen immer entsteht, fügt man einen weiteren Ordner ein, der schlicht "CD" heißt.

    3. In eben diesen "CD"-Ordner kopiert man den kompletten Inhalt der zweiten CD rein.
    Um sicher zu gehen, dass auch ggf. versteckte Dateien kopiert werden, macht man Folgendes:
    - Rechts-Klick auf das CD/DVD-Laufwerk
    - "Öffnen" wählen. Nun sieht man die ganzen Dateien, die auf der CD sind.
    - Dann kann man oben in dem Fenster verschiedene Befehle ausführen lassen, über die Drop-Down-Menüs ("Datei", "Bearbeiten" usw.).
    - Nun wählt man "Extras" -> "Ordneroptionen..." -> "Ansicht" -> "Versteckte Dateien und Ordner".
    Hier sollte man "Alle Dateien und Ordner anzeigen" aktivieren und mit "Übernehmen" und "OK" bestätigen.
    - Jetzt kann man einfach den ganzen Inhalt kopieren und in den Unterordner "CD" des "Revenant"-Ordners einfügen.

    4. Nun patcht man das Spiel auf Version 1.22.
    (Achtet darauf den korrekten Patch für die entsprechende Version zu verwenden, also kein US-Patch für die deutsche Version).

    5. Nun im Ordner von "Revenant" die ''Konfigurationseinstellungen'' abändern:
    In dem ersten Block dort steht an drittletzter Stelle:
    MoviePath="[CDROM]"
    Diese Zeile ändert man in:
    MoviePath=".\CD"
    (Auf die beiden Anführungszeichen und den Schrägstrich achten, es muss alles korrekt übertragen werden!)
    Software3D=No
    Diese Zeile ändert man ebenfalls, und zwar in:
    Software3D=Yes
    Nach den Änderungen nicht vergessen zu speichern (Strg + S)!

    6. Jetzt noch die Exe-Datei im Revenant-Ordner konfigurieren.
    Rechtsklick auf Exe -> "Eigenschaften" -> "Kompatibilität" -> Haken bei "Programm im Kompatibilitätsmodus ausführen für:" -> ''Windows 95'' und anschließend das ganze mit "Übernehmen" und "OK" bestätigen.

    7. Das Letzte worauf man jetzt noch achten muss, ist das Spiel nur über die Exe im Programmordner zu starten.
    Andernfalls werden die Konfigurations-Einstellungen zurückgesetzt und das Spiel startet nicht.
    Geändert von Sly Boots (19.1.10 um 03:02 Uhr)

Ähnliche Themen

  1. Problem mit Revenant
    Von Naitsirch im Forum PC & Mac Forum
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 7.7.05, 17:30
  2. Revenant
    Von franz-peter im Forum Massive Multiplayer Online Rollenspiele (MMORPGs)
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.9.02, 00:31

Lesezeichen

Forumregeln

  • Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
  • Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
  •