Zeige Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Arcanum – Von Dampfmaschinen und Magie

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
    Im Spiele-Forum seit
    Mar 07
    Beiträge
    1.288

    Arcanum – Von Dampfmaschinen und Magie

    Arcanum – Von Dampfmaschinen und Magie




    Entwickler: Troika Games
    Publisher: Diverse (Testversion von Dice Multimedia)
    System: PC
    Genre: RPG
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen (empfohlen):
    Pentium II 300 MHz / Windows 95/98/2000/ME/XP / 64 MB RAM / Grafikkarte 8 MB / 1,2 GB Festplattenspeicher / 4x CD-Rom Laufwerk

    Warnung:
    Wem das folgende Review zu lang erscheint, dem sei gesagt, dass meine Rezension trotz ihrer Länge nicht wirklich alle Bereiche des Titels abdeckt, obwohl ich natürlich mein bestes gegeben habe.
    Wir haben es bei Arcanum mit einem echten Komplexitätswunder zu tun.
    Nur für echte PC-RPGler.



    Einleitung:
    Arcanum ist der im Jahre 2001 veröffentlichte Debut-Titel von Troika-Games, einem Programmierstudio welches von den Fallout-Entwicklern anno 1998 ins Leben gerufen wurde.
    Bei Arcanum handelt es sich um ein klassisches PC-Rollenspiel, welches aus der isometrischen Perspektive dargestellt wird, über einen enorm umfangreichen Charaktereditor verfügt und dem User viele Freiheiten innerhalb der Spielewelt gewährt.
    Man merkt also deutlich woher die Wurzeln der Entwickler stammen, und auch viele Fallout-Fans der ersten Stunde betrachten Arcanum als die geistige Fortsetzung eben jener Serie.
    Genügend Gründe mal einen näheren Blick auf dieses Spiel zu werfen - handelt es sich etwa wieder einmal um einen verkannten Klassiker?



    Story:
    Ich befinde mich an Bord der IFS Zephyr, einem neuartigen, mit -ich glaube- irgend einem Gas gefülltem Luftschiff, welches die neueste technologische Errungenschaft der von Gill Bates ins Leben gerufenen Industrierevolution darstellt.

    Bis vor einigen Jahrzehnten hatten noch arrogante Elfen und zwielichtige Magier das Sagen in unserer Welt Arcanum.
    Doch Bates hat dem mit der Entdeckung der Dampfmaschine einen Riegel vorgeschoben.
    Nun sind es die technisch versierten Rassen, wie z.B. Menschen und Gnome, die durch ihren Erfindungsreichtum Stück für Stück die Vormachtstellung auf Arcanum erringen, während sich die magischen Völker immer weiter zurückdrängen lassen.
    Aus irgendeinem Grund neigen die Kräfte von Magie und Technologie nämlich dazu sich -wie die gegenseitigen Pole eines Magneten- abzustoßen.
    Daher erweist sich ein friedliches Zusammenleben zwischen Magiern und Wissenschaftlern, Elfen und Zwergen, um nur ein paar Kombinationen zu nennen, als äußerst kompliziert und schwierig.

    Das Luftschiff in dem ich reise, befindet sich auf dem Weg nach Tarant, der allseits bekannten Industriemetropole auf Arcanum, genau der richtige Ort um mein Glück zu finden.

    Doch was ist das?
    Ich höre auf einmal Geräusche von Motoren die stetig näherkommen.
    Doch wie kann das sein, ist nicht die IFS Zephyr das einzige, derzeitige Luftfahrzeug!?
    Oh nein, man attackiert uns mit Maschinengewehr-Salven!
    Einige der anderen Passagiere gehen tödlich getroffen zu Boden, ein Feuer bricht aus, ich bekomme keine Luft mehr und verliere gleich das Bewusstsein!
    Werde ich sterben!?

    Als ich wieder zu mir komme befinde ich mich inmitten der kläglichen Überreste der IFS Zephyr, in meiner Nase hängen die Gerüche von verbranntem Fleisch und Maschinenöl.
    Ganz in der Nähe höre ich schwache Hilferufe, natürlich mache ich mich sogleich ans Werk, dem Unglücklichen zu helfen.
    Ich finde einen ungewöhnlich stämmigen aber tödlich verwundeten Gnom vor, der mir einen kleinen Ring anvertraut, mit der Bitte diesen seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen.
    Außerdem stammelt er etwas von einer großen Gefahr, von jemandem der nach Arcanum zurückkehren möchte, um alles zu zerstören.
    Leider stirbt der arme Kerl kurz bevor sich eine schemenhafte Gestalt durch die Rauchschwaden auf uns zubewegt.
    Ich kann nur hoffen, dass es sich hierbei um die Vorhut der Rettungsmannschaft handelt, aber irgendwie wage ich das zu bezweifeln...


    Diese kleine Einführung dient dazu, euch etwas mit der Spielewelt von Arcanum vertraut zu machen.
    Wie der Untertitel des Spieles bereits vermuten lässt, geht es hier um eine Welt in der klassische Fantasy-Elemente auf eine frisch gebackene Industrierevolution prallen, die natürlich von unserer eigenen industriellen Revolution der Erde inspiriert ist.
    Anders als bei uns, handelt es sich hier natürlich um ein Fantasy-Reich, in dem viele Völker auf Magie angewiesen sind, die sich leider überhaupt nicht mit moderner Technologie verträgt.
    Dieser Konflikt ist die treibende Kraft des gesamten Spieles, denn die Grundstory an sich ist ehrlich gesagt gar nicht so toll, und handelt in den ersten drei Viertel der Handlung von einer mühseligen Schnipseljagd, ehe man dann im letzten Viertel mit einem recht ausgelutschten Klischee vom wahnsinnigen Magier konfrontiert wird.
    Sogar viele der Sidequests sind eher unspektakulär: Finde Gegenstand Y und bring ihn zu mir zurück oder beseitige Monster/Person Z.
    Einige dieser Sidequests sind aber glücklicherweise ganz gut in die Spielewelt eingebaut worden, so entpuppt sich unser zu beseitigendes Zielobjekt als Jack the Ripper-Verschnitt, der Jagd auf Prostituierte macht, wir decken eine geheime Verschwörung der Gnome im Industrieverband auf, oder helfen den Halb-Orks auf Umwegen eine Gewerkschaft zu gründen.
    Solch kreative Quests sind aber leider eher die Seltenheit.

    So leid es mir tut das zu sagen, aber Grundstory und Quest-Qualität sind trotz einiger Glanzpunkte, wie dem großen Dialog mit dem finalem Oberbösewicht, eher unterdurchschnittlich.
    Wäre da nicht die liebevoll ausgearbeitete Spielewelt, deren detaillierte Hintergründe und Probleme man durch viele interessante Bücher und Dialoge erschließen kann, hätte Arcanum in diesem Bereich nicht wirklich punkten können.
    Das Grundthema Magie vs. Technik weiß aber zu fesseln, daher gebe ich doch noch das Fazit: Ordentlich.

    Anhang 80783Anhang 80784Anhang 80785



    Gameplay – Charaktererstellung, Skills und Fähigkeiten:
    Wie man hoffentlich herauslesen konnte, befinden wir uns in einer Welt, in der Magie und Technik eng beieinander liegen.
    Eine Welt die von zahlreichen Rassen und Völkern bewohnt wird, und deren Zukunft absolut ungewiss ist.
    Genauso ungewiss wird die Entwicklung des eigenen Spielcharakters ausfallen, denn es gibt dermaßen vielschichtige Variationsmöglichkeiten und ausbaufähige Fertigkeiten, dass man sich erst einmal einen Plan erarbeiten sollte, als was man das Spiel bestreiten möchte, und wie man seine Skillpunkte, die man für seine insgesamt 50 Level-Ups erarbeiten kann, langfristig verteilen möchte.

    Wer keine Lust hat sich seinen eigenen Charakter zu schaffen, kann aber auch aus einer Reihe vorgefertigter Spielfiguren auswählen.
    Und wer sich keinen Plan zurechtlegen möchte, wie er die durch Level-Ups verdienten Skillpunkte verteilen möchte, kann dies auch der CPU überlassen.
    Man kann hierbei aus einer langen Liste von Jobklassen seine favorisierte auswählen, so dass man sich vollauf auf das eigentliche Spiel konzentrieren kann.
    Wie schon bei meinem Fallout-Review, empfehle ich aber auch hier ausdrücklich sich seinen eigenen Charakter nach seinen speziellen Bedürfnissen und Wünschen zu kreieren und die Skillpunkte selbstständig zu verteilen.
    Es macht ganz einfach mehr Spaß auf diese Weise, und man ist im Endeffekt wesentlich flexibler.
    Ich persönlich hatte z.B anfangs nicht wirklich vor auf "Schlösserknacken" zu skillen, im endeffekt hab ich es aber zum Meister-Schlosser gebracht.

    Entscheidet man sich also für einen eigenen Charakter, findet man sich zuerst in einem Screen wieder, in dem man Name, Geschlecht, Rasse und einen Hintergrund auswählen kann.

    Name und Geschlecht sollten sich von selber erklären, erwähnenswert ist es aber das die Reaktionen der Umwelt variieren je nachdem welches Geschlecht man spielt.
    Frauen werden in der Welt von Arcanum nämlich über weite Strecken als Personen zweiter Klasse betrachtet, was hier und da natürlich für ein anderes Spielerlebnis sorgt, als wenn man einen Mann spielt.

    Ähnlich verhält es sich mit der Rasse die man auswählt.
    Halb-Orks werden von fast allen verachtet, während man als Halb-Elf ein gern gesehener Gast ist.
    Hat jemand genügend Nerven als weiblicher Halb-Ork zu spielen?
    Die Rassen, die zur Auswahl stehen sind: Menschen, Zwerge, Elfen, Halb-Elfen, Gnome, Halblinge, Halb-Orks und Halb-Oger.
    Wer als Frau spielt kann allerdings leider nicht auf alle Rassen zugreifen, das weibliche Geschlecht beschränkt sich lediglich auf Menschen, Elfen, Halb-Elfen und Halb-Orks.
    Pro Charakter-Variation hat man übrigens die Wahl aus vier verschiedenen Portraits, die allesamt sehr schön und überraschend realistisch gezeichnet sind.
    Das heißt das ein Halb-Ork bei weitem nicht so übel aussieht wie man es sich im Klischee vorstellt, während viele der männlichen Menschen und Elfen ziemlich hässlich aussehen.
    Wer immer mal wissen wollte wie ein Halb-Oger in echt aussehen könnte, hat hier die Gelegenheit dazu einen Blick auf ein solches Geschöpf zu werfen.
    Das Artwork von Arcanum ist tatsächlich dermaßen liebevoll ausgefallen!

    Um das Ganze abzurunden kann man sich noch, wenn man möchte, einen besonderen Hintergrund aussuchen.
    Da steht uns z.B. "bei Mönchen aufgewachsen", "Irres Genie" oder "Technophobie" zur Verfügung.
    Solch ein Hintergrund bietet sowohl Vor- als auch Nachteile.
    Wer "bei Mönchen aufgewachsen" ist, startet das Spiel nämlich nur mit läppischen 100 statt 400 Goldmünzen, bekommt dafür aber auch einen Bonusskillpunkt für Wahrnehmung, nur um mal ein Beispiel für einen sehr harmlosen Hintergrund zu nehmen.
    Hintergründe haben nämlich zum Teil weitreichende Konsequenzen.
    Als „Irres Genie“ wurde man sein Leben lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten, was bedeutet dass wir nie richtig sprechen gelernt haben, und somit in Arcanum als Vollidiot betrachtet werden, obwohl wir über einen guten Intelligenz-Wert verfügen.
    Man sollte sich also gründlich überlegen welchen Hintergrund man nimmt, oder ob man überhaupt einen nimmt.


    Hat man seine Wahl getroffen und seiner Figur einen Namen verpasst, geht es ans Eingemachte:
    Beim nächsten Screen handelt es sich nämlich um den Charaktereditor, in dem man seine verdienten Skillpunkte verteilen wird.

    Im linken, mittleren Bereich sehen wir die Hauptskills, die da wären:

    Stärke: Beeinflusst Gesundheitspunkte, Angriffskraft und wieviel Gewicht man tragen kann.
    Konstitution: Beeinflusst Energiepunkte und diverse Widerstandskräfte, wie z.B. gegen Gift.
    Geschicklichkeit: Rüstungsklasse und Geschwindigkeit im Kampf.
    Schönheit: Beeinflusst die eigene Wirkung auf NPC's.
    Intelligenz: Schaltet technologische Disziplinen frei, die man erlernen kann.
    Willenskraft: Schaltet neue Zauber frei, die man erlernen kann und beeinflusst Gesundheits- und Energiepunkte.
    Wahrnehmung: Beeinflusst die Leistungsfähigkeit mit Schusswaffen.
    Charisma: Beeinflusst, wieviele Teamgefährten man mitnehmen kann.

    Gesundheit: Lebensenergie - hat man alle Gesundheitspunkte eingebüßt stirbt man.
    Energie: Ausdauer - bei Verlust sämtliche Energie verliert man das Bewusstsein und kann nicht mehr handeln, ehe es sich wieder etwas regeneriert hat.


    Soviel erst mal zu den Hauptskillwerten.
    Daneben gibt es aber noch die drei Fähigkeitsblöcke die da lauten:
    Generelle Fertigkeiten, Technologie und Magie.

    Fertigkeiten werden in vier Unterblöcke eingeteilt: Kampf, Diebstahl, Gemeinschafts- und Technische Fertigkeiten.
    Diese vier Unterblöcke sind abermals in vier Fertigkeiten aufgedröselt, so das wir insgesamt 16 Fertigkeiten zum Skillen haben.
    Zu diesen gehören unter anderem Fähigkeiten im Nahkampf, im Taschendiebstahl oder auch im Überzeugen anderer etc.
    Erinnert ihr euch noch daran das ich euch empfohlen habe einen Plan zurecht zu legen was ihr genau skillen möchtet?
    Ich denke, ihr könnt euch nun denken was ich damit sagen wollte.
    Und es geht noch weiter:

    Die Fähigkeit Technologie ist in 8 Disziplinen eingeteilt, in jeder Disziplin kann man insgesamt 7 technische Anleitungen freischalten.
    Hat man eine Anleitung erlernt, kann man fortan mithilfe der zwei in der Anleitung vermerkten Items einen neuen Gegenstand kreieren.
    Unter anderem stehen Molotov-Cocktails, Pistolen, Schwerter oder diverse Drogen zur Auswahl, die man auf diese Weise erschaffen kann.
    Die entsprechenden Items die man zur Item-Kreation benötigt, lassen sich entweder in der Spielewelt auflesen oder bei Händlern erwerben.
    Man kann im Übrigen auch neue Anleitungen finden oder kaufen.
    Es gibt also weit mehr als nur die 56 Anleitungen die man durch Skillpoints erlernen kann.

    Dann hätten wir noch die Magie.
    Für diese gibt es insgesamt 16 verschiedene Schulen wie Feuer, Wasser oder Luft, aber auch Nekromantie, Teleportation und Gestaltwandlung.
    Für jede dieser Schulen kann man 5 Zauber freischalten, es gibt also insgesamt 80 verschiedene Zauber im Spiel zu erlernen, die allesamt die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche abdecken.

    Damit wurden sämtliche Bereiche erläutert, in denen man seine Skillpunkte investieren kann.
    Der wahre Haken an der Sache ist aber nicht nur die schiere Masse an ausbaufähigen Bereichen, sondern das man pro Level-Up gerade einmal einen Skillpunkt verdient (2 Punkte wenn man zu einer Fünferstelle aufstuft wie 5, 10, 15).
    Zu Beginn des Spiels darf man immerhin fünf Skillpunkte auf seine Start-Skills verteilen.
    Diese variieren natürlich, je nachdem was für eine Rasse man auswählt.
    Daran alle Bereiche auch nur ansatzweise abzudecken, sollte man also noch nicht mal im Traum denken, es ist einfach nicht möglich!

    Bevor wir uns den eigentlichen Gameplay zuwenden, sollte man aber noch die Gesinnungs- und Magie/Technik-Anzeige erwähnen.
    Die Gesinnungsanzeige zeigt ganz einfach an wie gut oder böse wir uns bis dato verhalten haben.
    Auch dies beeinflusst die Reaktionen einiger NPC's, so möchten uns z.B. einige potentielle Teammember nicht begleiten wenn wir zu gutherzig sind.
    Außerdem gibt es für das letzte Viertel des Spieles unterschiedliche Lösungswege, je nachdem ob wir uns gut oder böse verhalten haben.

    Die Magie/Technik-Anzeige zeigt uns, in welche entsprechende Richtung sich unsere Spielfigur hin entwickelt, oder ob sie neutral bleibt.
    Wurden wir beispielsweise zum Techniker, hat dies den Vorteil, dass wir eine gewisse Immunität gegen Magie entwickeln.
    Dies bedeutet, dass sowohl Angriffs- aber leider auch Heilmagie nicht mehr richtig bei uns wirken.
    Auch geht der Bonus magischer Ausrüstung immer weiter verloren.
    Man muss also immer mit Konsequenzen rechnen wenn man sich zu sehr in eine Richtung entwickelt.

    Im letzten Screen den wir bei der Charaktererstellung zu Gesicht bekommen, kann man von seinem Gold (Standard-Startsumme beträgt 400) noch etwas Ausrüstung bei einem Händler einkaufen, bevor dann endlich das eigentliche Spiel beginnt.

    Ich kenne kein anderes Spiel das über einen komplexeren Charaktereditor verfügt als Arcanum.
    Dies birgt natürlich die Gefahr der Verskillung, aber wer sich dem nicht gewachsen fühlt, kann natürlich immer noch die CPU zur Unterstützung aktivieren.
    Der Editor brilliert also nicht nur durch Quantität, sondern vor allem durch Qualität und ermöglicht somit ideales Rollenspiel, da man alle möglichen Variationen ausprobieren kann, um sich seinen ganz individuellen Helden oder Fiesling zu erstellen.
    Fazit: Komplex und ausgereift, wirklich klasse!

    Anhang 80786Anhang 80787Anhang 80788



    Gameplay – Benutzerinterface und Steuerung:

    Im eigentlichen Gamescreen sieht man die Spielewelt aus isometrischer Perspektive.
    Oben und unten auf dem Bildschirm wird das Benutzerinterface abgebildet, während eventuelle Portraits auf der linken Bildschirmseite die aktuellen Teammitglieder darstellen.
    Letztere lassen sich aber auch ausblenden, damit man mehr von der eigentlichen Landschaft sieht.
    Über das Benutzerinterface hat man Zugriff auf alle relevanten Informationen und Spielfunktionen.

    Im oberen Bereich können wir den Charaktereditor, das Tagebuch, die Karte und das Inventar aufrufen.
    Über Sinn und Zweck des Charaktereditors habe ich mich ja bereits geäußert, während die anderen drei Buttons sich von selbst erklären sollten:

    Im Tagebuch werden allerlei relevante Ereignisse eingetragen.
    Dazu gehören nicht nur laufende, abgeschlossenen oder verpatzte Quests, sondern auch generelle Informationen wie Gerüchte, die man zusammengetragen hat oder Kampfstatistiken u.a.
    Ein regelmäßiger Blick ins Tagebuch ist also Pflicht, damit man immer auf dem aktuellsten Stand bleibt.

    Mit der Karte kann man einen Überblick zum Gebiet aufrufen, in dem man sich gerade befindet.
    Außerdem können wir hier eine feste Laufroute festlegen, um zu vermeiden dass man sich in besonders großen Arealen unnötigerweise verläuft.
    Gelangt man an einen Außenbereich des Areals, schaltet das Kartensymbol in ein blaues Planetensymbol um.
    Nun kann man sich per Betätigung dieses Symbols auf die Weltkarte begeben, um dort zwischen den einzelnen Ortschaften hin- und her zu reisen (Zufallsbegegnungen mit Monstern und Meuchelmördern eingeschlossen).
    Man kann sich zwar auch zu Fuß durch Arcanum bewegen, allerdings dauert die Reise zu neuen Ortschaften auf diese Weise ewig.
    Neben den storyrelevanten Städten und Dungeons gibt es auch kleinere Extragebiete zu finden, wenn man die Weltkarte erkundet.
    Dort lassen sich oftmals Schätze und andere Goodies finden.

    Im Inventar werden natürlich alle Items und Ausrüstungsgegenstände gelagert, die man so findet oder beseitigten Feinden abknöpft.
    Klar, dass das Inventar nur über ein begrenztes Fassungsvermögen verfügt, es ist also nicht möglich zehn große Plattenpanzerrüstungen mit sich rumzuschleppen.
    Dies liegt nicht nur am Platzmangel, sondern auch an der eigenene Körperkraft.
    Das Maximalgewicht, welches man der Spielfigur aussetzen kann, bestimmt der Stärkewert.
    Wird eine bestimmte Gewichtsgrenze überschritten, belastet dies den Charakter und er büßt Geschwindigkeitspunkte ein, so das er langsamer läuft und weniger Zugpunkte im Kampf zur Verfügung hat.
    Also aufgepasst, man sollte nicht jeden Müll einsammeln und mit sich rumschleppen.
    Darüber hinaus kann man seine Spielfiguren hier natürlich auch umrüsten.

    Oben rechts im Interface wird der aktuelle Tag & Nacht Zyklus angezeigt.
    Nachts wird die Sichtweite eingeschränkt, was in Kämpfen zu einer schlechteren Trefferquote führt, wenn man sich nicht mit einer Lampe ausrüstet.
    Außerdem legen sich viele NPC's zu dieser Zeit ins Bett, also genau der richtige Zeitpunkt für Diebe in Aktion zu treten.
    Mithilfe des Buttons neben dieser Anzeige, kann man sich zu einer festgelegten Zeit schlafen legen.
    Ein Nickerchen im Freien regeneriert aber lediglich die Energie-Anzeige.
    Für zusätzliche Gesundheitsregeneration muss man schon in einem Hotel oder Gasthaus übernachten; auch dort lässt sich die exakte Länge des Schlafes regulieren, da man lediglich die Erlaubnis das Bett für einen bestimmten Zeitrahmen zu nutzen, mietet.

    In der unteren Interface-Leiste werden hauptsächlich Standard-Informationen wiedergegeben.
    Zwei Anzeigen ganz links und rechts zeigen an, wieviele Gesundheits- bzw. Energiepunkte dem Mainchar noch zu Verfügung stehen, und man kann in einer Itemleiste bis zu zehn Gegenstände aus dem Inventar ablegen, die man von dort aus bei Bedarf sofort einsetzen kann (z.B. in einem Gefecht).
    Der links platzierte Schildbutton fungiert für den Kampfmodus, während man mit den drei rechten auf die freigeschalteten Fähigkeiten wie technologische Anleitungen, Taschendiebstahl etc. zugreifen kann.
    Dazwischen liegt der Info-Block, in dem diverse Informationen angezeigt werden, z.B. wieviele Gesundheits- und Energiepunkte mein Gegenüber noch hat und wie hoch die prozentuale Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Treffer lautet usw.

    Über die Charakterportraits auf der linken Seite des Bildschirms kann man den aktuellen Gesundheits- und Energiezustand seiner Teamgefährten einsehen.
    Dieser wird in Form zweier Balken unter dem jeweiligen Portrait angezeigt.
    Desweiteren kann man mithilfe der rechten Maustaste eine Liste aufrufen, über die man unter anderem den Charaktereditor oder das Inventar seiner Kameraden aufrufen kann.
    Dies kann man auch handhaben indem man sie direkt anspricht und ihnen die entsprechende Frage stellt, aber via Interface geht dies meines Erachtens wesentlich unkomplizierter.
    Man kann diese Portraits wie gesagt auch wegschalten falls sie stören, aber das muss jeder für sich entscheiden.


    Die Grundsteuerung von Arcanum ist ganz simpel:
    Im Grunde benötigt man fast nur die linke Maustaste; mit dieser klickt man auf den Bereich wo man seine Spielfigur hinbewegen möchte, auf den Feind den man attackieren möchte, auf den NPC mit den man quatschen möchte, die Antwortmöglichkeiten die einem in einem Gespräch zur Verfügung stehen...
    Ich denke man versteht worauf ich hinaus will.
    Zur Unterstützung der Steuerung benötigt man eigentlich lediglich noch die Pfeiltasten der Tastatur, um die Kamera über die isometrische Karte zu lenken (obwohl sich auch das mit dem Mauscursor handhaben lässt, was aber nicht so bequem ist), doch abgesehen davon gibt es hierzu nicht viel mehr zu sagen.

    Und somit habe ich euch jetzt hoffentlich einen mehr oder weniger groben Einblick in das Benutzerinterface von Arcanum vermittelt.
    Das alles wirkt jetzt bestimmt sehr kompliziert, umfangreich und undurchsichtig, ist aber sehr schnell erlernt und genauso bequem wie unkompliziert mit der Maus zu steuern, genau so wie es sich für ein Iso-RPG gehört.
    Fazit: In Sachen Interface und Steuerung gibt sich Arcanum also keine Blöße. Sehr gut!



    Gameplay – Kampfsystem und Teamgefährten:
    Stoßen wir auf feindlich gesinnte Kreaturen, schaltet das Programm automatisch in den Kampfmodus um, vorausgesetzt wir haben im Optionsmenü den Rundenkampfmodus ausgewählt.
    Man kann die Kämpfe auf Wunsch nämlich auch in Echtzeit bestreiten, allerdings sollte man dies erst später in Erwägung ziehen, wenn man entsprechend aufgelevelt hat.
    Die Geschwindigkeit der Echtzeitkämpfe ist nämlich viel zu hoch ausgefallen, so dass man kaum mitkommt, und wesentlich mehr Schaden einsteckt, als wenn man im Rundenmodus spielt.
    Der Haken am Rundenmodus ist allerdings, dass die Kämpfe dort auf Dauer sehr eintönig werden.
    Feinde die faule Tricks und Magie einsetzten sind nämlich recht rar gesäht, so das der taktische Anspruch bei Null liegt.
    Einfach immer nur draufkloppen bis die Gegner tot sind, und weiter geht’s.
    Dieses Schema zieht sich quasi durch das gesamte Spiel, lediglich anfangs sollte man darauf achten sich nicht mit allzustarken Kontrahenten anzulegen, sonst kann es schnell passieren, dass man sich die Radieschen von unten ansieht (was zu Beginn des Spieles auch recht häufig passiert).
    Aber selbst diese Spannung wird nach spätestens der Hälfte des Spieles zunichte gemacht.
    Hat man sich nicht arg verskillt, und sich auf die wichtigsten Fähigkeiten wie Nahkampf und Geschicklichkeit konzentriert, hat man nämlich recht schnell einen sehr mächtigen Charakter unter Kontrolle, der sich vor fast gar nichts mehr zu fürchten braucht.
    Irgendwie habe ich den Eindruck, das man sich nicht sicher war, ob man das Kampfsystem nun rundenbasiert wie in Fallout, oder Action-orientiert, wie in einem X-beliebigen PC-Hack'n Slay RPG, gestalten wollte.
    Was dabei herauskam ist ein eher unausgegorener Mischmasch, der uns beide Kampfweisen eher schlecht als recht zur Verfügung stellt.

    Auch das Level-Up-System ist etwas seltsam.
    Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten Erfahrungspunkte zu verdienen:
    Durch das Beseitigen von Monstern, durch das Lösen von Quests, oder indem man den Gegnern Treffer verpasst.
    Die Ironie hierbei ist, dass man sich letztendlich durch das bloße Einknüppeln auf Feinde die meisten Exp. sichert (sogar wesentlich mehr als durch die eigentliche Niederlage des Gegners).
    Dies führt dazu, dass man sehr flott aufleveln kann, wenn man als sehr schneller Nahkämpfer spielt, der die meisten Treffer landet.

    Das Level-Up-System der rekrutierbaren Mitstreiter ist ebenfalls sehr ungewöhnlich.
    Diese stufen nämlich parallel zum Mainchar auf.
    Stuft unsere Spielfigur auf, erhalten auch alle übrigen Gruppenmitglieder einen Level-Up. Vorausgesetzt natürlich sie befinden sich in der Gruppe.

    Schade ist es, dass man auch dieses Mal nicht die volle Kontrolle über die Teamgefährten erhält.
    Soll heißen, dass sie genau wie in Fallout auch hier wieder von der CPU gesteuert werden.
    Zwar kann man ihnen geringfügige Kommandos geben, und man hat hier auch endlich die volle Kontrolle über deren Ausrüstung, aber die Möglichkeit diese selbst zu steuern oder deren Skillpunkte selbstständig zu verteilen bleibt einem verwehrt, schade.

    Neue Teamgefährten kann man in diversen Ortschaften antreffen.
    Manche von ihnen schließen sich uns nur dann an, wenn man eine bestimmte Voraussetzung erfüllt haben, wie z.B. eine gewisse technologische Ausrichtung oder eine bestimmte Gesinnung.
    Manche stellen uns auch Quests die man erfüllen muss etc.
    Es gibt für jede Gesinnungsmäßige und/oder magisch/technologische Ausrichtung genügend passende Mitstreiter zu finden, so das sich jeder eine relativ individuelle Gruppe zusammenstellen kann.
    PS: Wer es schon wieder vergessen hat, der Maximalwert der möglichen Gruppenmitglieder beträgt sechs und wird vom Charisma-Wert beeinflusst.

    Es gibt natürlich noch viel mehr Details bezüglich Kampfsystem und Gruppenmitglieder zu erläutern, doch würde das hier den Rahmen sprengen.
    Das Wichtigste wurde hier aber vermittelt.
    Das Kampfsystem ist leider ziemlich durchwachsen und etwas eintönig ausgefallen.
    Auch hätte man sich mehr Kontrolle über die Gruppenmitglieder gewünscht, obwohl es in letzterer Hinsicht schon mal eine deutliche Steigerung zu Fallout gab.
    Fazit: Sorry, aber hier liegt doch einiges im Argen. Gerade noch akzeptabel.



    Gameplay – Abschließendes:
    Auch dieses Mal haben sich die Fallout-Schöpfer wieder bemüht eine gewisse Variation innerhalb der Quests anzubieten.
    Man kann viele Aufgaben auf eine böse oder gute Weise abschließen.
    Es gibt Aufträge die speziell für eine Gesinnung gedacht sind, und Quests für deren erfolgreichen Abschluss man einen sogenannten Schicksalspunkt verdient.
    Wenn man solch einen erhält, ist dies ein Indiz dafür das man etwas episches geleistet hat, was eventuell sogar den Abspann zum Guten oder Schlechten beeinflusst.
    Auch kann man diese Punkte dafür einsetzten eine Fähigkeit nach Wahl temporär aufs Maximum zu pushen.
    Auf diese Weise kann man für eine Nacht den Meisterdieb mimen, obwohl man ja eigentlich einen Magier spielt etc.
    Die Variationen von Rassen und Geschlecht bietet darüber hinaus weitere Anreize den Titel weitere Male durchzuspielen, um Arcanum aus einen völlig anderen Blickwinkel zu erleben.
    Wer ein Spiel sucht in dem man viel Zeit zum Ausprobieren und Herumexperimentieren investieren kann, liegt hier also goldrichtig.
    Eine art Multiplayer-Modus wird im übrigen auch angeboten, doch habe ich diesen als notorischer Solo-Spieler nicht ausprobiert und kann dazu auch nicht mehr sagen.

    Anhang 80789Anhang 80790Anhang 80791


    Grafik, Sound und Präsentation:
    Tja, grafisch gewinnt Arcanum trotz einiger hübscher aber seltener Rendersequenzen keinen Blumentopf.
    Die Locations wirken alle sehr bodenständig und eher realistisch.
    Aufgebretzelte und pompöse Bauten wie in einem "Baldur's Gate II - Schatten von Amn", welches im gleichen Jahr erschien, sollte man hier keinesfalls erwarten.
    Es gibt hier und da zwar wirklich schöne Details zu bewundern, wie das Skelett eines Drachens, Segelschiffe und die Eisenbahn, aber im großen und ganzen halten sich etwaige Wow-Effekte stark in Grenzen.
    Es erinnert halt alles ein bisschen an das gute alte Fallout.
    Auch bei den Farben hat man sich bewusst zurückgehalten, um eine möglichst realistisch anmutende Welt zu erschaffen.
    Einen Farboverkill mit knallbunten Magierroben und Monstern in allen Regenbogenfarben sollte man hier definitiv nicht erwarten.
    Wirklich ärgerlich ist es aber, dass das Spiel lediglich eine Auflösung von 640x480 Bildpunkten bietet.
    Das war damals und ist heute beim besten Willen einfach nicht tragbar.
    Zwar gibt es inzwischen einen inoffiziellen 1024x768 Auflösungs-Patch, doch dient dieser in erster Linie dazu die Übersichtlichkeit zu erhöhen.
    Eine deutliche Verringerung der Pixelbildung ist mir hier leider nicht aufgefallen.
    Außerdem wurden die Anordnungen der Infoleisten-Anzeigen nicht richtig angepasst, so das alles nach "rechts gedrückt" ist (Sorry, aber ich weiß jetzt nicht wie ich es besser erklären kann).
    Fazit: Gut aber veraltet.

    Beim Sound sieht es ganz anders aus!
    Für den OST zeichnet sich Ben Houge verantwortlich, der bis dato schon für viele Spiele der Firma Sierra den Soundtrack beigesteuert hat.
    Der Game-OST arbeitet exzessiv mit Violinen-Klängen, um die Atmosphäre des fiktiven 19. Jahrhunderts in dem die Spielhandlung stattfindet, perfekt einzufangen.
    Und ich kann mit vollster Überzeugung sagen, dass eben dies Herrn Houge absolut gelungen ist.
    Der OST ist wirklich beeindruckend, und jeder sollte ihn sich mal zu Gemüte führen.
    Man kann ihn sich auch abseits des Spieles wunderbar anhören.
    Die Sprachausgabe ist ebenfalls sehr gelungen.
    Zwar bekamen nur die allerwichtigsten NPC's und interessantesten Begleiter eine Synchronstimme zur Verfügung gestellt, aber wie heißt es so schön, "Qualität vor Quantität".
    Ich jedenfalls habe an der deutschen Synchronisation nichts auszusetzen.
    Fazit: Spitzenklasse!

    Die Präsentation ist die geheime Stärke von Arcanum.
    Zwar steht in grafischer Hinsicht wirklich nicht gerade alles zum Besten, aber ansonsten merkt man überdeutlich wieviel Herzblut in diesem Titel steckt.
    Man erfährt es durch die ganz offensichtlichen Dinge wie dem tollen OST, oder durch Details wie die authentisch wirkenden Portraits der Spielfiguren.
    Man hat nicht nur versucht irgendein Computerspiel zu programmieren, man wollte ein Kunstwerk erschaffen.
    Die unterschwellige Schönheit des Titels hat mich durchaus beeindruckt, schade nur, dass das Gameplay an sich nicht ganz so ausgereift wirkt wie die Gesamtpräsentation.
    Fazit: Prädikat - Wertvoll



    Patches:
    Bevor ich zum Abschluss komme, möchte ich euch noch folgenden Link ans Herz legen:
    http://arcanum.advexx.de/
    Dieser Link beinhaltet inoffizielle Erweiterungs-Patches von erfahrenen Moddern, die dabei helfen Arcanum möglichst bugfrei laufen zu lassen.
    Ich selbst musste mein Programm sogar damit erweitern, da meine Disk nicht mehr gelesen wurde, nachdem ich den aktuellsten offiziellen Patch draufgepackt hatte...
    Mit Hilfe dieser inoffiziellen Erweiterungen konnte ich dieses lästige Problem aber umgehen.
    Thx nochmal an Drog Black Tooth und Lexx!
    Wer ähnliche Probleme hat, dem wird dort geholfen!

    Ach ja, bevor ich es vergesse, mir sind keine nennenswerten Bugs im Spiel aufgefallen.
    Das Schlimmste was passieren kann ist, dass das Spiel im Rundenmodus hängen bleibt, ein Problem das man leicht umgehen kann, indem man im Optionsmenü den Kampfmodus kurzfristig auf Echtzeit umstellt (danach kann man ja sofort wieder auf Rundenkampf einstellen).



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - fantastischer OST
    - sehr schön ausgearbeitete Grundidee (Magie vs. Technik)
    - unkomplizierte Steuerung, und grundsolides Gameplay
    - enormer Umfang (sowohl bei der Charaktereditierung als auch im eigentlichen Spiel)

    Kontra:
    - schwächelnde Story und Quests
    - selbst damals schon sehr veraltete Grafik
    - schlecht ausbalancierter Schwierigkeitsgrad
    - unausgegorenes Kampfsystem



    Fazit:
    Das Game macht es einem wahrlich nicht leicht eine faire Bewertung zu finden.
    Fakt ist, wir haben es hier mit einem kleinen Kunstwerk zu tun.
    Aber Fakt ist auch, dass sich das Spiel einige Fehler leistet, die es nicht mal ansatzweise die Güteklasse eines "Baldur's Gate II: Schatten von Amn" erreichen lässt.
    Wer ein Old School PC-RPG als solches sucht, ist bei anderen Iso-RPG's wesentlich besser aufgehoben.
    Wer allerdings gehörig die Schnauze voll von den ganzen Kommerz-Produktionen der heutigen Tage hat und ein Spiel mit Herzblut sucht, der sollte sich den Titel auf jeden Fall zulegen.


    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 6
    Sound: 10
    Steuerung: 9
    Umfang: 10
    Story: 6
    Spielspaß: 8
    Gesamtwertung: 8
    Geändert von Balmung (18.1.13 um 13:30 Uhr)

  2. #2
    Mitspieler Benutzerbild von Patrizier
    Im Spiele-Forum seit
    Aug 10
    Beiträge
    26

    Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie

    Titel: Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie
    Genre: Iso-Rollenspiel
    System: PC

    Arcanum ist das erste Spiel des Entwicklerstudios "Troika Games", an welches heute, seit 2005, nur noch wegen seines dritten Projekts "Vampire: The Masquerade – Bloodlines", für welches unentwegt Fanpatches erscheinen von Zeit zu Zeit gedacht wird. Nicht ganz zu Unrecht trägt also das heute vergessene Erstlingsprojekt den Titel Arcanum - Geheimnis. Dabei waren die Grundlagen für ein unvergessliches Spiel schon mit dem Entwicklerstab gelegt, niemand anderes als Tim Cain, Leonard Boyarsky sowie Jason Anderson, die selben Herren also die, den Klassiker "Fallout" kreirten, schufen dieses Iso-Rollenspiel. Grund genug also das Spiel, schon aus rein Videospiel geschichtlichen Gründen, näher zu betrachten.


    Während uns bei Fallout Jazz von Luis Armstrong in einer postapokalyptischen Welt begrüßt, ertönen bei Arcanum die Geigen während ein Text im Stil alter Stummfilme uns verständlich macht, dass wir uns an Bord der IFS Zephyr befinden. Die Tafel verschwindet und in Schwarz-Weiß nähert sich die Kamera einem Zeppelin, zeigt uns dann die reichlich verzierten Innenräumen, für die naturgemäß Schawrz-Weiß eine Zumutung wäre, weshalb man ab sofort alles in Farbe sieht. Gleich darauf wird die IFS Zephyr von zwei Flugzeugen vom Himmel geholt, wobei die Piltoten der Flugzeuge, Orks, sich selbst gleich mit kaputtmachen.
    Am Boden angekommen schwankt man durch die Landschaftsruinen um von einem scheinbaren Gnom einen Ring in die Hand gedrückt zu bekommen, der umgehend an den rechtsmäßigen BEsitzer muss. Bevor er uns mehr erklären kann, verstirbt er und eine Gestalt erreicht uns, die unser erster Begleiter sein wird oder auch nicht (das entscheidet jeder für sich). Dieser führt uns in die erste Stadt und das ganze Spiel. Um Ganze symbolisch zu erhöhen heißt er auch Vergil.
    Kurz: Über einen mangelnden, stillvollen Beginn kann man sich nicht beklagen.


    Worüber ebenfalls nicht geklagt werden kann: das Handbuch. Wo anderen Spiele ein paar lieblos formulierten Seiten beiliegt, darf sich das Handbuch von Arcanum mit 190 beschriebenen Seiten wirklich als Buch titulieren. Wer jemals wissen wollte was eine Schiefe Ebene ausmacht, wie man "Oma Kochbergs Drei-Schüssel-Brot" backt, der findet die Lösung für diese und weitere wichtige Problematiken im Arcanum-Handbuch.

    Doch nun, zum eigentlich Spiel, das jedoch erst anfängt sobald man die Charaktererschaffung hinter sich hat. Zur Charaktererschaffung könnte ich schreiben bis meine Finger nur noch blutende Stümpfe wären und hätte trotzdem nicht alles erzählt, deshalb mach ichs ganz kurz: Man kann jede Rasse, jedes Geschlecht, jede Hintergrund-Geschichte , jede technische bzw. magische Begabung erwählen, die das Herz begehrt.
    Wer als böser, zaubernder Zarathustra-Verehrer die Welt erkunden möchte, darf das genauso wie jemand, der einen weiblichen Halb-Ork spielen möchte, die durch Frankensteins Operationen fast gänzlich ihr Sprachvermögen verlor.


    Durch die tausend Möglichkeiten der Charakterentwicklung bedingt, gibt es auch viele unterschiedliche Charaktere auf die man trifft. Der rote Faden des ganzen Spiels ist der Konflikt zwischen industrieller Revolution und den Magie-und Naturliebhabenden. Der Charakter kann, wenn er will in diesem Konflikt selber Farbe bekennen, Granaten werfend und Flammenwerfer benutzend durch die Land ziehen oder sich als Magier, der seine Gegner in Schafe verwandelt, flugs woanders hinteleportierend durch Arcanum bewegen. Wobei man jedoch durch Domizile beider Fraktionen muss. Man erfährt auch von jeder Seite seine Argumentationen und Erwartungen bezüglich des Konflikts: von Elfen, von Zwergen, von kapitalistischen Gnomen, von Forschern und Mystikern. Die Antwort wer gewinnt und wer verliert wird jedoch gegeben. Zarathustra-Verehrer wissen die Antwort jedoch auch so schon .

    Doch auch Figuren abseits dieses Konflikts sind zahlreich vertreten und toll. Nie werde ich Stringy Pete vergessen können.

    Arcanum ist das interaktivste Rollenspiel, dem ich je über den Weg gelaufen bin. Man kann wirklich tun was man will, the show must go on, es geht immer weiter und man kann immer in der Geschichte weiterkommen, die sich ganz darauf konzentriert allen Wünschen des Spielers gerecht zu werden. Ein zweimaliges Spielen wird durch neue Einsichten auf die andere Seite belohnt und ist somit empfehlenswert. Jedoch hat dieses hohe Maß an Interaktivität auch seine Schattenseiten, zwar lässt sich jede Figur töten und niemand wird nur "bewusstlos" weil er eben für die Geschichte wichtig ist aber dadurch wird die Geschichte auch etwas wendungsarmer als bei linearen, streng stringent verlaufenden Spielen. Wer eine "epische" Geschichte will und dafür sich jedem Diktat der Spieleentwickler beugen möchte, wird den Reiz von Arcanum nicht zu schätzen wissen. Am Ende zieht das Spiel Fazit und zeigt einem die Entwicklungen, die man selbst angestoßen hat. Die Missionen selbst laufen zwar oft nach dem gängigen Schema "Gehe dahin und töte, überrede oder schleiche" ab, sind jedoch fast nie purer Selbstzweck, sondern eingebettet in eine interessante, stimmungsvolle Quest.

    Der Anspruch von Troika Games das Design über alles andere zu stellen wird in keinem Spiel so meisterhaft erreicht wie in Arcanum.


    Was man tatsächlich nicht schätzen kann ist das Kampfsystem. Der rundenbasierte Modus ist zwar erträglich, Neues oder aufregende Kämpfe bietet er jedoch nicht. Das ist auch die Schuld des Levelsystems. Man wird viel zu schnell viel zu gut, so dass die Kämpfe schnell an Reiz verlieren.
    Im Echtzeit-Modus hingegen herrscht das reinste Chaos, sofern man nicht viel zu stark ist, ist man dort hoffnungslos verloren. Das Levelsystem hat auch noch eine andere Schwäche - jeder Begleiter bekommt ein weiteres Level, wenn man selbst eines bekommt. Hat man jedoch die Levelbegrenzung erreicht und folglich keine Chanche mehr aufzusteigen, stoppt auch das Leveln der Begleiter. Ärgerlich.
    Die Begleiter haben sowieso einen sehr gerringen Stellenwert, jeder von ihnen hat zwar eine ausgesprochen gelungene Synchro und eine eine eigene Geschichte, die einmal aufgelöst wird, dienen aber hauptsächlich als Packesel und haben in den Kämpfen keinerlei Bedeutung. Leute, die keine Party verwalten wollen, dürfen also frohlocken.


    Alle anderen frohlocken hingegen über die wunderbare Atmosphäre des Spiels. Lobend sei hier auch die Musik erwähnt, komponiert von Ben Houge lässt sie jeden, der keine Abneigung gegen Geigen hat, nicht mehr los. Arcanum hat eine sonderbare Atmosphäre, die oftmals sehr traurig ist, etwa

    SPOILER wenn man wie im Blutrausch ein Dorf voller friedlicher Einwohner tötet, obwohl man auch diplomatisch ans Ziel gelangt wäre oder bei einer anderen Fraktion
    SPOILER-Ende

    und andermals sehr witzig. Das ganze Spiel steckt bis zum Bersten voll mit Anspielungen, auch wenn diese nicht mehr so offensichtlich sind wie in Fallout 2, so begleiten sie einen doch durchs ganze Spiel. Etwa wenn Bill Gates in Form von Gilbert Batesgehörig kritisiert wird und unterstellt wird, dass er vor schlechtem Gewissen kein Auge mehr zutun darf. In Zeiten von Apples-Kult wäre eine Fortsetzung von Arcanum sehr angemessen.





    Alles in allem: Arcanum ist ein Spiel, das dem Spieler ungeahnte Freiheit gibt, wie er das Spiel spielen will. Das mag zwar für Leute, die auf alles zeigende Spielkompasse angewiesen sind, unpraktikabel vorkommen aber alle anderen werden die Freiheiten zu schätzen wissen. Zudem steckt das Spiel so voller Mühe, Liebe und Geist, dass es jeder mögen wird, der durch moderne Rollenspielannehmlichkeiten nicht vollends verhunzt wurde.

Ähnliche Themen

  1. Kosten von Magie
    Von TheFallenOne im Forum Dungeons & Dragons (D&D/D20/AD&D)
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 30.4.05, 14:53
  2. Arcanum und Blut
    Von Lif im Forum Rollenspiele
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 23.3.05, 21:38
  3. magie und element schaden
    Von goku_18 im Forum Diablo 2
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 20.5.04, 00:17
  4. Magie und Fallen
    Von janni92 im Forum Yu-Gi-Oh! TCG
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 11.8.03, 01:10

Lesezeichen

Forumregeln

  • Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
  • Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
  • Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
  •