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Thema: Silver

  1. #1
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
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    Mar 07
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    Silver

    Silver




    Entwickler: Infogrames
    Publisher: Infogrames
    System: PC/Dreamcast
    Genre: Action-Adventure
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen (empfohlen):
    Pentium 233 MMX / Windows 98 / 32 MB RAM / Grafikkarte 4 MB / 150 MB Festplattenspeicher / 16x CD-Rom Laufwerk

    Anmerkung:
    Dieses Review bezieht sich einzig und allein auf die PC-Fassung, die Dreamcast-Version habe ich nie gespielt.



    Einleitung:
    Wer im Internet nach RPG's im japanischem Stil für den PC sucht, bei denen es sich nicht einfach nur um Ports von Konsolen handelt sondern um eigens für den Rechner programmierte Titel, der wird früher oder später über Titel wie Anachronox oder Septerra Core stolpern, die bereits beide von mir getestet wurden.
    Ein weiterer Titel auf den ich während meiner Internet-Recherche aufmerksam wurde war Silver, und dies ist doch äußerst merkwürdig, denn Silver hat weder besonders viel mit einem RPG gemeinsam, noch bietet es in optischer Hinsicht etwas was einen an ein fernöstliches Spiel erinnern lässt ... Abgesehen davon, dass es denselben Grafikstil wie FFVII verwendet.
    Und dies alleine hat bei manchem wohl dafür gesorgt, Silver als (Action)-RPG anzupreisen, selbst Begriffe wie „FFVII Killer“ tauchten auf (vermutlich das übliche Publisher-Getöse).
    Ich kann denen die diese Zeilen lesen nur nahelegen nicht auf solcherlei Gesabbel zu hören, Silver ist weder mit einem östlichen noch mit einem westlichen RPG zu vergleichen, und es ist ganz sicher keine Konkurrenz für FFVII!
    Und mal ganz abgesehen von diesen Tatsachen ist Silver auch noch nicht einmal ein gutes Spiel geworden, obwohl es aber komischerweise über eine kleine eingeschworene Fangemeinde verfügt.
    Das folgende Review soll dazu dienen die rosarote Nostalgiebrille zu zerstampfen, um eventuelle Fehlkäufe, bei denen die noch einem Rollenspiel suchen, zu vermeiden!



    Story:
    Die Story beginnt recht spannend, der Schwertkämpfer David lebt ungestört und friedlich mit seiner Frau Jennifer und seinem Großvater in einem kleinen Häuschen im Wald, zumindest bis zu dem Tag, als der steinalte und absolut bösartige Magier Silver seine eigene Frau ermordet, die ihm zuvor die Hörner aufgesetzt hatte.
    Klar das der Alte nun nach Ersatz lechzt, folglich schickt er seinen Sohn Fuge los um alle hübschen Weiber des Fantasyreiches zusammenzutreiben, damit sich der alte Lüstling ein neues Weib aussuchen kann.
    Es liegt natürlich auf der Hand, das auch Jennifer in die Hände von Fuge fällt, was David zur unabwendbaren Rettungsaktion zwingt.

    Soweit so gut, aber leider wird dieser simple aber dafür umso motivierendere Storybogen überspannt, denn die Entwickler mussten auch noch unbedingt eine Dämonenbeschwörung von Seiten Silver's mit einbauen, die sich nur dann abwenden lässt, wenn man acht magische Kugeln, die über die gesamte Welt verstreut sind, aufklaubt.
    Und somit verkommt die anfangs sympatische Geschichte doch noch in eine typische „sammel mächtige Artefakte um den Dämonenlord zu stoppen“ Story, die man anderswo schon dutzende Male besser gehört hat als hier.
    Aber immerhin sind David und Co. nicht auf den Mund gefallen, so dass der Spieler mit vielen witzigen Dialogen verwöhnt wird, die auch durch die tollen Synchronsprecher getragen werden (Martin Keßler die deutsche Synchronstimme von Nicholas Cage spricht z.B. David).



    Gameplay:
    Tja, was nützen einem alle Vorzüge eines Computer oder Videospieles, wenn das Gameplay nichts taugt? Eben, nichts!
    Und somit gehen wir jetzt etwas näher auf den dicken Schwachpunkt von Silver ein, das Gameplay.

    Das wesentliche Gameplay-Element in Silver sind die Echtzeit-Gefechte gegen feindliche Soldaten, Monster etc.
    Um in den Kampfmodus zu wechseln muss man die Strg-Taste gedrückt halten, anschließend stehen einem mit der Nahkampfwaffe verschieden Kampfmanöver zur Verfügung.
    Hält man z. B. die linke Maustaste im Kampfmodus gedrückt und zieht die Maus nach oben, stößt David sein Schwert nach vorne.
    Je nachdem in welche Richtung man die Maus zieht (oben, unten, links, rechts), wendet David ein anderes Schlagmanöver an.
    Für den Standartschlag hingegen muss man nur kurz auf die linke Maustaste drücken.

    Ferner stehen uns einige spezielle Kampffähigkeiten zur Verfügung, die wir in Verlauf des Spieles z. B. durch aufgesammelte Schriftrollen erlernen können.
    Um eine dieser besonderen Fähigkeiten einzusetzen, muss man lediglich die linke Maustaste gedrückt halten, wo wir schon bei einem großen Manko angelangt wären.
    Logischerweise sollte man sich diese speziellen Manöver für besonders kritische Momente aufsparen, aber da wir die linke Maustaste ja ebenfalls gedrückt halten müssen, um die anderen Angriffe auszuführen, führt dies oftmals dazu, das wir den Specialmove unwillentlich ausführen, und wieder ne ganze Weile warten dürfen bis er sich wieder aufgeladen hat.
    Auf diese Weise ist es schier unmöglich die volle Kontrolle über den Nahkampf zu erlangen, denn die Gegner schlafen nicht und prügeln munter auf uns ein, während wir versuchen das richtige Schlagmanöver vorzubereiten.
    Die Fuchtelei mit der Computermaus hätte es meines Erachtens wirklich nicht gebraucht.
    Zumindest hätte man eine optionale Steuerung mit einbauen können, mit deren Hilfe man auf dieses Feature hätte verzichten können.

    Da wir oftmals einer Übermacht gegenüberstehen, die uns natürlich mit Vorliebe umkreist und in den Rücken fällt, wird es schwer die Übersicht in den oftmals recht überschaubaren Renderbildern zu behalten.
    Das Problem hierbei ist, dass man den Gegner im Kampfmodus anklicken muss, damit David zu ihm hinrennt.
    Man kann sich zwar auch selbstständig fortbewegen, aber leider entpuppt sich der zum rennen benötigte Doppelklick auf die linke Maustaste in den hektischen Kämpfen als äußerst unbequem.
    Wenn also wieder einmal aus allen Eingängen Gegner auftauchen, fällt es aufgrund dessen äußerst schwer konzentriert einzelne Ziele zu bekämpfen.
    Richtig schlimm wird dieser Umstand, sobald wir im Zuge der Story unsere ersten (maximal zwei von insgesamt fünf) Mitstreiter in die Gruppe bekommen.
    Wenn diese sich dann ebenfalls in den Kampf stürzen ist das Chaos perfekt.
    Oft genug ist es mir passiert, das mein Zielgegner durch meinen eigenen Mitstreiter blockiert wurde, so das ich mich ernsthaft gefragt habe auf wessen Seite meine von der KI gesteuerten Teammember denn jetzt nun stehen!
    (Man kann jeden der Charaktere selber steuern, die anderen beiden Gruppenmitglieder werden dann von der KI übernommen)

    Zum Glück gibt es auch noch Fernkampfwaffen mit denen man seine Pappenheimer ausstatten kann damit man selber im Nahkampf seine Ruhe hat und sich die Kameraden zumindest etwas nützlich machen können.
    Nur blöd das man für alle stärkeren Fernwaffen Munition braucht, die natürlich schnell verbraucht ist, so das wir recht schnell wieder auf uns selbst gestellt sind.
    Lediglich die Steinschleuder bietet unbegrenzte Munition, aber deren Kampfkraft ist lächerlich gering, also auch keine Lösung.
    Alles in allem taugen die Begleiter vornehmlich als Kanonenfutter und sollten vom Spieler auch als solches im Kampf eingesetzt werden.

    Magie kann man übrigens auch wirken, so bekommt man im Form der oben genannten acht magischen Kugeln jeweils einen Zauber zu Verfügung gestellt.
    So kann man Feuer- bzw. Eisbälle abfeuern, oder einen Heilzauber wirken.
    Gewisse Gegner reagieren natürlich empfindlicher auf einen Zauber als auf die Klinge, so dass die regulären Kämpfe zumindest etwas strategischen Tiefgang bieten.

    Das Highlight in dieser Hinsicht sind sicherlich die Bossgegner, um diese zu besiegen erfordert es nämlich immer der richtigen Strategie, die man natürlich erst mal austüfteln und anschließend erfolgreich anwenden muss.
    Hat man solch einen Boss besiegt, heißt es Level-Up für David und Co. Dies ist die einzige Möglichkeit die Charaktere „aufzuleveln“, falls man es wirklich so bezeichnen kann.
    (Dies führt zur Verbesserung der Statistika wie mehr HP und MP)
    Kämpfe gegen reguläre Gegner bringen -abseits von eventuellen Itemdrops- nämlich rein gar nichts ein.
    Dies dürfte wohl auch der Grund sein, warum das Spiel einen dazu zwingt jeden Gegner der einem über den Weg läuft zu beseitigen.
    Jeder Screen in dem Gegner auftauchen, wird nämlich solange „Gesperrt“ bis das Gebiet von Feinden gesäubert wurde.
    Wer aus dem letzten Loch pfeift und längere Zeit keinen Speicherpunkt gefunden hat, wird das Spiel hierfür recht schnell verfluchen.
    Die Einnahme eines Heilmittels (Nahrung oder Tränke stehen zur Auswahl) erweist sich in einem Echtzeit-Gefecht nämlich als äußerst heikel und speziell hierfür zugewiesene Tasten gibt es natürlich nicht, es ist ja nicht so das wir genügend Knöpfe auf der Tastatur frei hätten.

    Womit wir auch schon beim grottigen Speichersystem angelangt wären.
    Gespeichert wird bei einem sogenannten Schreiber, eine art Magier der ab und zu aufkreuzt, um Davids Fortschritte für die Nachwelt festzuhalten.
    Das Problem ist nur, das dieser Heini wieder verschwindet, sobald man sein Spiel gesichert hat, so das man nie weiß wie lange man jetzt wieder durchhalten muss, bis man wieder speichern darf.
    Wer also keine Lust hat längere Gamepassagen wiederholt nachzuspielen, weil man es mal wieder nicht zum nächsten Speicherpunkt geschafft hat, sollte um dieses Spiel einen großen Bogen machen.

    Zum Schluss gehen wir noch etwas auf den Adventure-Part von Silver ein.
    An manchen Stellen kommt man nur weiter, wenn man zuvor den richtigen Schlüsselgegenstand eingesackt hat.
    Dies dient aber weniger dazu die kleinen grauen Zellen zu strapazieren, als vielmehr den Spieler auf einer festen Bahn durch das Spiel zu lenken.
    In der Regel bekommt man von den NPC's mitgeteilt wo es als nächstes hingehen soll, falls man dann aber doch mal vor verschlossenen Toren stehen sollte, lohnt es sich in bis dato unerforschte Gebiete vorzudringen, um dort nach den benötigten Schlüsselgegenstand ausschau zu halten.
    Netterweise wurde eine Weltkarte in Silver eingebaut, die man nutzen kann, um ohne zeitaufwändigen Fußmarsch in bereits erforschte Gebiete zurückzukehren, dies ist zweifellos eine gute Sache und eine der wenigen positiven Gameplay Eigenschaften von Silver.
    Schlüsselgegenstände, Außrüstungsgegenstände, Heilmittel, etc. werden übrigens alle in einem leicht zu durchschauenden Ringförmigen Menüsystem gelagert.
    Auch hier gibt es von meiner Seite nichts zu meckern.

    Und damit wäre im großen und ganzen auch alles gesagt, was es im Bereich Gameplay zu Silver zu sagen gibt.
    Die Steuerung schwankt zwischen sehr schlecht und eigenwillig und bildet somit den Hauptkritikpunkt.
    Aber auch Speichersystem und das lächerliche Pseudo-Level-Up System sorgen für Unmut.
    Von den kleineren Schwächen wie den laschen Adventure-Part mal ganz zu schweigen.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    In diesem Bereich gibt es eigentlich nicht viel zu meckern.
    Der Grafikstil verwendet Renderhintergründe und Polygon Figuren.
    Zwar kann die Grafik nicht mit dem offensichtlichen Vorbild mithalten, sieht aber trotzdem ganz hübsch aus.
    Das Hauptproblem ist ganz einfach, das die meisten Locations nicht unbedingt herausragend erscheinen, und die Renderbilder auch nicht soo Detail-verliebt wirken.
    Die Auflösung auf dem PC beträgt 800x600 Bildpunkte.

    Beim Sound siehts schon besser aus.
    Ich hab ja bereits geschrieben das die Synchronsprecher ihre Sache sehr gut machen und das Spiel mit populären Stimmen aufwartet.
    Die Hintergrundmelodien sind auch recht schön und passend, auch wenn man hier auf Ohrwürmer verzichten muss.

    Alles in allem ist die Präsentation wirklich gut gelungen, die Spielewelt wird jedenfalls gut in Szene gesetzt, aber wie gesagt, wenn das Gameplay...



    Negative Kritik:
    Dann fassen wir noch mal kurz zusammen:
    - Silver leidet unter einer unspektakulären Story, die zwar zugegebenermaßen durch sympathische Charas und tolle Dialoge getragen wird, aber nichtsdestotrotz einfach ausgelutscht ist.
    - Das Gameplay ist zwar im Kern nicht schlecht, leidet aber an einer unkomfortablen und
    kompliziert/eigenwilligen Steuerung.
    - Das Speichersystem ist scheiße, man muss es einfach derart deutlich formulieren.
    - Der Adventure Part kommt zu kurz.
    - Und „last but not least“ wirkt der Schwierigkeitsgrad irgendwie unausgereift, (was man sicherlich ebenso auf die versaute Steuerung schieben kann).
    Warum gibt es z. B. keine auswählbaren Schwierigkeitsgrade? Silver bietet sich förmlich hierfür an!

    Alles in allem leistet sich Silver einfach zu viele grobe Schnitzer, was vor allem deswegen ärgerlich
    ist, da man viele dieser Fehler ohne weiteres hätte vermeiden können.
    Aber leider hat man es wohl versäumt das Spiel von außen stehenden Probespielen zu lassen, und was hier vor uns liegt ist das traurige Ergebnis mangelnden Feinschliffes.



    Silver unter Windows XP:
    Wer Silver auf XP spielen möchte, kann sich auf einen echten Akt gefasst machen.
    Dazu benötigt man nämlich einen Fan-Patch der glaub ich irgend eine exe. Datei austauscht.
    Aber selbst damit gibt es noch reichlich Probleme, man darf nämlich nicht die Weltkarte via Itemmenü aufrufen, ansonsten stürzt das Spiel ab.
    (Man kann die Karte aber problemlos per M-Taste aufrufen)
    Da dieses Menü im Verlauf der Handlung an einer Stelle automatisch aufgerufen wird, bleibt einem nichts anderes übrig als sich einen Save aus dem Internet zu besorgen mit dem man das Problem umgehen kann.
    Es gibt auch später nochmal ein weiteres Problem wo man an einer Glocke läuten muss, was bei mir auch nicht so recht funktionierte.
    Auf jeden Fall verlinke ich euch mal eine Savegame Sammlung:
    http://rapidshare.com/files/25706385..._SaveGames.rar
    Den XP Patch hab ich auf die schnelle leider nicht gefunden.
    (Der Patch der der Savegame Sammlung beiliegt hat bei mir nichts gebracht, ich hab einen anderen verwendet den ich aber leider nicht mehr im Internet finde.)



    Fazit:
    Das war nichts Infogrames! Potential ist zwar massig vorhanden, und wurde in audiovisueller Hinsicht auch umgesetzt, aber was nützt einem das, wenn das eigentliche Spiel aufgrund zahlreicher fragwürdiger Elemente einfach ungeniesbar ist?
    Zwar bleibt der Titel schon irgendwie spielbar, aber wenn er aus oben genannten Gründen keine Freude bereitet nützt alles nichts.
    Silver bekommt von mir definitiv keine Empfehlung.



    Endwertung:

    Grafik: 7,5
    Sound: 8,5
    Steuerung: 2,5
    Umfang: 7
    Story: 6
    Spielspaß: 5
    Gesamtwertung: 5,5
    Geändert von Balmung (18.1.13 um 14:10 Uhr)

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