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Thema: Legend of Legaia

  1. #1
    Benutzerbild von Fantasy Freak
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    Text Legend of Legaia

    Legend of Legaia





    Publisher:Sony
    Developer:Contrail





    Es erwartet Euch ein umfangreiches Abenteuer, welches einen Spielumfang von ungefähr 35 bis 40 Stunden haben sollte, vorausgesetzt Ihr kommt normal durch, eben mit allen Höhen und Tiefen. Bei Legend of Legaia handelt es sich vom Spielprinzip her aber um ein eher ungewöhnliches Rollenspiel, denn es ist doch sehr unüblich solchen Abenteuern Elemente aus Prügelspielen hinzuzufügen, dem ist aber hier so. Daher ist es sicher Geschmackssache ob Ihr dieses Game mögt oder nicht, mir hat’s jedenfalls gefallen. Denn so erkundet Ihr nicht nur die Gegend, kämpft unentwegt in den zufällig passierenden Kämpfen und gewinnt durch diese wertvolle Erfahrungspunkte, durch die Eure Charaktere immer stärker und stärker werden, sondern Ihr vermöbelt die Feinde in den Kämpfen an sich in guter alter Beat’em-Up-Tradition nach Strich und Faden, der Gegner versucht dabei natürlich das Gleiche. Dies bedeutet konkret, dass nachdem Ihr das entsprechende Kampfkommando einer Figur zugewiesen habt, richtige Schlag- und Trittkombinationen ausgelöst werden, es kommt somit auch auf Euer Geschick an. Dadurch werdet Ihr immer etwas aus der Spielatmosphäre herausgerissen, was ich jetzt aber nicht negativ meine, sondern insgesamt wirkt der gesamte Ablauf dann doch sehr abwechslungsreich, längere Ruhephasen vor allem in den Städten und bei den zahllosen Gesprächen wechseln sich schön mit den hektischen Kämpfen draußen ab. Falls sich das für Euch gut anhört, gehört Ihr definitiv zur Zielgruppe dieses Spiels, Ihr solltet in diesem Fall brav weiterlesen.


    Die Helden dieses Rollenspiels bestehen aus einem 3er-Trupp, ihre Namen lauten Vahn, Noa und Gala, wobei Ihr auf Wunsch sämtliche Namen nach Euren Wünschen beziehungsweise Vorstellungen ändern könnt. Zunächst einmal ziehen wir als Vahn in die weite Welt, um die gesamte Region von einem mysteriösen Nebel zu befreien. Die ursprünglich friedlichen Wesen namens Seru werden, befinden sie sich in diesem Nebel, eine Verwandlung in üble Monster vollziehen müssen, woraufhin sie stehlen und morden. Dieser schreckliche Zustand muss natürlich schnell beseitigt werden, Unterstützung wird Euch durch die sogenannten Ra-Seru gewährt. Diese sind besonders widerstandsfähig gehen die mörderischen Aktivitäten der verwandelten Seru und verleihen Euch ganz spezielle Kräfte. Damit Ihr halbwegs durch sie geschützt seid, bindet Ihr diese sehr nützlichen Kräfte in Form eines Bandes um Euer Handgelenk und schnell kann die Reise für unseren jungen Vahn dann auch weitergehen. Schon nach sehr kurzer Zeit trifft er die beiden anderen Helden, wobei jede einzelne Hauptfigur zunächst seine eigene Mission zu erfüllen hat. Schließlich seid Ihr aber vereint und wandert durch zahllose kleine Städte, Waldgebiete, tiefe Schluchten, Höhlen, Burgen und was weiß ich noch. Sehr praktisch sind dabei die zahlreichen Schatztruhen, welche Ihr auf Eurer langen Reise ausfindig machen könnt, logisch, dass regelmäßig sehr brauchbare Gegenstände in ihnen enthalten sind. Wie bei Rollenspielen ja so üblich, haltet Ihr immer wieder gerne ein mehr oder weniger ausführliches Schwätzchen mit den Bewohnern des jeweiligen Fleckchens Erde, oft erhaltet Ihr dadurch sehr wichtige Informationen beziehungsweise die nötigen Hinweise, welche Ihr genau in jenem Moment benötigt hattet. Der Spielverlauf ist dabei streng linear, eine große Handlungsfreiheit besteht für den Spieler daher nicht, immerhin ist es dadurch kaum möglich, sich an irgendeiner Stelle zu verfransen. Ab und zu dürft Ihr in den Gesprächen eine von mehreren zur Auswahl stehenden Antworten anklicken, welche sich dann ganz am Ende auf die Art des Abspanns auswirken. Schließlich soll es mehrere unterschiedliche Filme zum Schluss geben, dies ist aber auch das Einzige, wo es einmal nicht 100%ig geradeaus geht, ansonsten folgt Ihr immer sehr streng dem roten Faden in der Geschichte, darüber kann auch diese Mini-Entscheidungs-Möglichkeit nicht hinwegtäuschen.


    Kommt es dann schließlich zum Kampf mit dem Feind, blendet die Kamera sehr gut in einer Art 3D-Perspektive, wobei sehr nahe an die Figuren herangezoomt wird. Dies hat zur Folge, dass Ihr Euch mittendrin in der Geschichte und eben auch im Kampf fühlt, Ihr merkt allerdings beim näheren Heranzoomen auch, dass die Grafik nicht vom Allerfeinsten ist, viele Animationen sehen dann doch noch viel zu kantig aus, aber trotzdem gefiel mir das vor allem extrem bunte Design. Die Figuren sind übrigens riesengroß und beim Ausführen Eurer Befehle kommt Ihr Euch wirklich vor wie in einem Prügelspiel. Teilweise extrem komplizierte Tastenkombinationen müsst Ihr drücken, wollt Ihr im Kampf wirklich extrem wirkungsvolle Treffer landen, mit etwas Übung sollte dies aber nach einer gewissen Zeit kein Problem mehr sein. Doch nicht nur mit bloßer Hand oder nacktem Fuß geht Ihr zu Werke, Ihr bedient Euch ab und zu auch nützlicher Utensilien beziehungsweise anderer wirkungsvoller Mordinstrumente wie zum Beispiel Messer oder Schwerter. Ein Rollenspiel ohne solche Waffen wäre ja auch wirklich kein richtiges Rollenspiel, schätze ich mal. Für jede gelungene Kombination wie überhaupt für jeden Treffer bekommt Ihr natürlich Erfahrungspunkte, werdet in den unterschiedlichsten Eigenschaften immer stärker, sowohl in Offensive wie auch Defensive und erlernt im weiteren Verlauf des Spiel unzählige neue Tricks oder andere nützliche Dinge. Die sogenannten Art Points, also Kampfkunstextrapunkte, ermöglichen es Euch später, besonders effektive Manöver auszuführen. Zum Beispiel seid Ihr nachher in der Lage, Hurricane Kick, Frost Breath, Tempest Break, Guillotine, Electro Trash, Iron Head, Neo Raising, Black Rain, Power Punch, Burning Flame, Cyclone, Rolling Combo, Slash Kick, Tornado Flame, Hyper Elbow und noch vieles mehr auszuführen. Ich spielte übrigens damals die amerikanische Version, es gibt netterweise aber auch eine deutschsprachige Version, was ja gerade bei Rollenspielen eher selten ist, aber dafür in diesem Fall natürlich umso besser ist. Die deutsche Version erschien damals gut ein halbes Jahr später, solange wollte ich seinerzeit nicht warten.


    Magie ist natürlich auch mit von der Partie allerdings nicht so wie bei den meisten Rollenspielen so üblich. Es werden nämlich keine richtigen Zaubersprüche vom Stapel gelassen sondern dafür Monster beschworen, welche Ihr vorher einmal besiegen konntet. Diese Monster greifen dann zusätzlich in den Kampf ein und verfügen dann über Zaubersprüche im Offensiv- und Defensivbereich wie zum Beispiel mit Feuersturm oder Heilregen. Benutzt Ihr diese Wesen sehr oft, entwickeln sich diese entsprechend weiter, also werden auch sie nach und nach stärker. Und selbstverständlich ist auch in Legend of Legaia nichts umsonst auf der Welt, daher benötigt Ihr auf jeden Fall das Geld, welches Euch nach dem erfolgreichen Bestreiten eines Kampfes zumeist dagelassen wird. In den Städten haltet Ihr nämlich nicht nur ein nettes Schwätzchen mit den Einwohnern sondern kauft selbstverständlich auch Waffen, Rüstungen und sonstige Gegenstände ein, wobei ich Euch sagen kann, dass Ihr Euch vorsichtshalber so gut wie es geht mit Heilkräutern eindecken solltet. Die Preise für diese sind aber auch nicht ohne, also machte ich es so, dass ich zu Beginn des Spiels anstatt der üblichen vier bis fünf Stunden sicherlich acht bis neun verweilte und auch im späteren Spielverlauf blieb ich an manchen Stellen immer etwas länger, um meinen Geldvorrat wieder aufzufrischen und natürlich auch so ganz nebenbei immer stärkere Figuren mit immer ausgefeilteren Techniken an meiner Seite zu haben. Der doch gar nicht einmal so niedrige Schwierigkeitsgrad ist aus meiner Sicht auch eine sehr positive Sache, gerade bei in deutscher Sprache übersetzten Rollenspielen handelt es sich doch zumeist um Abenteuer, welche viel zu leicht zu bewältigen sind, so aber nicht hier. Anfänger werden sich todsicher eine blutige Nase holen, ich empfehle Euch daher zumindest in der ersten Hälfte des Spiels so vorzugehen wie vorhin von mir beschrieben.


    Damit es auch nicht zu langweilig wird, existieren in Legend of Legaia auch zahlreiche Minispiele, fernab der ewigen Prügelei und des Sammelns an Erfahrungspunkten. Es existieren unter anderem eine Kampfsportveranstaltung, ein Angelturnier oder auch der einarmige Bandit, die für etwas Abwechslung sorgen sollen. Dies ist auch bitter nötig, denn negativ ist diesem Rollenspiel zweifelsohne anzukreiden, dass die Geschichte nicht besonders fesselnd erzählt wird. Sehen die Figuren in den Kämpfen noch ansprechend aus, so ist die Identifikation aber trotzdem mit ihnen nicht besonders hoch, sämtliche Charaktere wirken doch ziemlich blass. Dies liegt vor allem an den oft langweiligen 08/15-Dialogen, witzige Momente oder sonstige Aha-Erlebnisse sind hier absolute Mangelware beziehungsweise eigentlich sogar Fehlanzeige, was bei Rollenspielen ja dann eigentlich tödlich ist. Trotz der interessanten 3D-Optik, dem angenehm hohen Schwierigkeitsgrad und dem guten Einbau von zahlreichen Prügelelementen in dieses Spiel, geht Legend of Legaia irgendwie schon nach spätestens 10 Stunden die Luft aus, zumindest was die Handlung angeht. Ich beschränkte mich jedenfalls auf das Hochleveln der Charaktere und das Ausführen interessanter Kombos, von einer fesselnden oder gar faszinierenden Spielatmosphäre kann ich jedoch leider nicht sprechen. Da Optik und Akustik mich auch nicht in Ekstase versetzten oder sonst wie euphorisch werden ließen, geht der Spielspaßfaktor dann doch bedenklich nach unten, rettet sich aber letztlich noch im annehmbaren grünen Bereich, ist alles in allem leicht überdurchschnittlich, aber keinesfalls mehr. Wer Rollenspiele mag, greift wahrscheinlich trotzdem zu, jedenfalls wenn er oder sie sich auf deutschsprachige Versionen beschränken muss, ein Feuerwerk an Innovationen wird hier in Legend of Legaia auf jeden Fall nicht abgeschossen, überlegt Euch gut, ob dieses Spiel wirklich etwas für Euch ist. Habt Ihr nämlich einmal angefangen und seid circa 10 Stunden unterwegs, wird der wahre Fan von Rollenspielen natürlich nicht mehr abbrechen und dann, so wie ich, tapfer bis zum Ende durchhalten. Es gibt somit Licht und Schatten bei diesem Videospiel, wobei die positiven Gesichtspunkte die negativen dann doch überwiegen: wer viel Wert auf die Geschichte legt, wird Abstand von diesem Rollenspiel nehmen, wem die Mischung aus RPG und Beat’em-Up gefällt greift zu.



    Grafik:6
    Sound:6
    Steuerung:7
    Gameplay:6
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    Geändert von Fantasy Freak (5.2.06 um 19:52 Uhr)
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  2. #2
    Meisterspieler Benutzerbild von Sly Boots
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    Nebel des Grauens

    Legend of Legaia




    Entwickler: Contrail
    Publisher: Sony
    System: PSone
    Genre: RPG
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12



    Einleitung:
    Tjaja, Final Fantasy VII löste seinerzeit einen echten RPG-Boom aus.
    Natürlich wollte auch Sony seinen Teil vom Kuchen abhaben, weswegen diese Firma dafür sorgte, dass so einige RPG's, mit denen man hierzulande gar nicht gerechnet hatte, doch noch ihren Weg nach Deutschland fanden.
    Neben Star Ocean: The Second Story und Shadow Madness, stand auch Contrails „Legend of Legaia“ (kurz LoL) in den Startlöchern.
    Da die Programmierer von Contrail bereits Erfahrung mit Wild Arms sammeln konnten, durfte man durchaus mit einigen Erwartungen an LoL herangehen.
    Ob es sich hierbei jedoch wirklich um ein spielenswertes RPG handelt oder doch nur durchschnittliche Fließbandware geboten wird, klärt für euch hoffentlich folgendes Review.



    Story:
    Legaia. Eine Welt, welche von zwei dominierenden Spezies bewohnt wird.
    Auf der einen Seite die intelligenten aber schwächlichen Menschen, und auf der anderen die robusten „Seru“, die jedoch über keine nennenswerte Intelligenz verfügen.
    Bei den Seru handelt es sich um friedliche Geschöpfe unterschiedlichster Größen, deren Körper hauptsächlich aus diversen Gesteinsarten bestehen.
    Aufgrund der passiven Wesensart der Seru, gelang es den Menschen recht bald diese zu domestizieren und für verschiedene Aufgaben einzusetzen.
    Einige Menschen benutzen kleinere Seru sogar als Ausrüstungsstücke, welche dem Träger eine höhere Leistung im Kampf gewährt.
    Letztendlich kam aber der Tag, an dem diese symbiotische Beziehung regelrecht auf den Kopf gestellt wurde ...
    Ein mysteriöser Nebel begann die Landstriche zu überziehen und die eigentlich sanftmütigen Seru in gefährliche Monster zu verwandeln, welche nun vorzugsweise Jagd auf Menschen machten.
    Individuen, die einen Seru als Ausrüstung tragen, verlieren ihren Willen an den steinernen Partner und verkommen ebenfalls zu blutrünstigen Berserkern.

    Inzwischen sind zehn Jahre vergangen seitdem jener gefährliche Nebel auftauchte, der nun beinahe die gesamte Welt bedeckt.
    Lediglich das kleine, von einer hohen Schutzmauer umgebene, Dörfchen „Rim Elm“ blieb bislang verschont.
    Die dort lebenden Menschen haben logischerweise nicht gerade allzuviel Freiraum, folglich ist es verständlich, dass sich der gerade einmal 14 Jahre alte Vahn mit Hilfe des örtlichen Mönchs zum Martial Arts-Spezialisten entwickelt hat.
    Diese Kampfkünste hat der blauhaarige Bursche aber auch bitter nötig, als der böse Magier Zeto in Rim Elm aufkreuzt, um eine Horde von Seru-Monstern auf die kleine Ortschaft loszulassen.
    Sein Ziel ist die Vernichtung des örtlichen „Genesis-Baumes“, der angeblich die Kraft haben soll den Nebel zu vertreiben.
    Bei der Verteidigung des Baumes stellt unser Blauschopf fest, dass dieser als Brutstätte für einen intelligenten „Ra-Seru“ dient, der sich mit Vahn verbindet und ihm somit ermöglicht den Genesis-Baum wiederzubeleben.
    Und tatsächlich entfaltet der Baum nach dieser Tat seine magischen Kräfte und rettet das Dörfchen somit vor dem Untergang ...

    Was jetzt folgt dürfte klar sein: Vahn zieht in die neblige Welt hinaus, um die übrigen Genesis-Bäume zu reaktivieren und schlussendlich die Quelle des Übels auszurotten.
    Auf seiner Reise trifft er auch auf das verwilderte Waisenkind Noa und den Mönch Gala, die sich ihm - ausgerüstet mit ihren eigenen Ra-Seru - zur Weltenrettung anschließen.
    Die eigentlich konventionelle Story bietet mit dem Nebel zumindest einen interessanten Aspekt und scheut sich nicht davor, bei vereinzelten Storybröckchen auch mal auf das notorische Happy End zu verzichten.
    Die Atmosphäre ist stellenweise durchaus düster ausgefallen, wobei die nebligen Geisterstädte aber nie das Grusel-Niveau eines Shadow Madness erreichen - aber dennoch ein netter Versuch einer 08/15 Story etwas mehr Pepp zu verleihen.
    Dieses gewisse Etwas sucht man bei den Charakteren leider vergebens.
    Vahn ist eine unterdurchschnittliche Kopie von Rudy aus Wild Arms ... sogar Rudys Stummheit und Klamottenfarben wurden übernommen.
    Noa ist das überdrehte, chronisch-fröhliche Kawaii-Girlie, welches man in dieser oder ähnlicher Form in jedem J-RPG vorfindet.
    Und Gala schlussendlich ist der streng-ernsthafte Kerl in der Gruppe, der sozusagen den benötigten Kontrast zu Noa darstellt.
    Was die Bad Guys anbelangt, so sollte man nicht mehr als das übliche pathetische Gedöhns erwarten ... ja, generell sollte man bezüglich Charaktere keine hohen Erwartungen an LoL stellen.
    Unsymphatisch sind die zwar nicht, aber eben langweilig hoch zehn.
    Die Handlung selbst reißt auch keine Bäume aus, kann aber zumindest durch oben angesprochene Elemente punkten.



    Gameplay:
    Der Spielablauf läuft im Kern nach dem altbekannten J-RPG-Schema ab.
    Stadt – Land (Weltkarte) - Dungeon ... Ihr solltet mit meiner Phrase ja inzwischen vertraut sein. ;-)
    Aber ganz so standardmäßig ist Legaia dann doch nicht ausgefallen - dem Nebel sei Dank!
    Die diversen Städte und Dörfer sind logischerweise ebenfalls vom Nebel bedeckt, und müssen folglich erst einmal durch die Reaktivierung des nächstgelegenen Genesis-Baumes befreit werden.
    Dadurch wird einem zum Teil das Gefühl der Sicherheit genommen, da man sich ironischerweise erst nach dem nächsten Dungeon mit neuer, leistungsfähigerer Ausrüstung eindecken kann.
    Ein netter kleiner Twist im typischen J-RPG-Schema - auch wenn dieses Element nicht konsequent durchgezogen wurde.
    Oftmals findet man dann doch eine kleine Gruppe Überlebender, die uns mit neuer Ausrüstung versorgt und einen Schlafplatz anbietet.

    Ansonsten bleibt jedoch ohnehin alles wie gehabt: Zufallskämpfe bestreiten - Exp und Geldeinheiten verdienen - aufleveln - neue Ausrüstung einkaufen - mit NPCs quatschen, um die Story voranzutreiben ... nichts neuartiges also.
    Unspektakulär sind auch die Dungeons, welche häufig mit langen, ereignislosen Korridoren und Verbindungswegen langweilen, in denen kaum etwas nennenswertes passiert.
    Hier mal eine Abzweigung, die zu einer Schatztruhe führt, und dort mal ein Felsblock der beiseite geschoben werden muss, um den Weg freizuräumen - mehr Substanz sollte man nicht erwarten.
    Immerhin findet man in der sehr linear strukturierten Spielwelt auch mal das ein oder andere kleinere Rätsel vor.
    Leider wird bei diesen zu keinem Zeitpunkt Wild Arms-Niveau erreicht.
    Bedenkt man, dass LoL von den WA-Programmierern stammt, ist dieser Aspekt doch etwas enttäuschend.
    Ein paar obligatorische Minigames wie Angeln, Glücksspielautomaten oder eine Kampfarena gibt es auch; die sind aber allesamt rein optional.

    Das Kampfsystem ist der Bereich wo die dringend benötigte Innovation geboten wird.
    Legaia verwendet das eigens für dieses Spiel geschaffene „Tactical-Arts-System“ (kurz TAS).
    Gerät man in einem Zufallskampf (welche glücklicherweise recht vernünftig frequentiert wurden), hat man zunächst die Wahl ob man sich dem Kampf stellen oder flüchten möchte.
    Wählt man den Kampf, stehen vier weitere Optionen zur Verfügung: Angriff, Item, Magie und Zauberkraft.
    Beim „Angriff“ kommt nun das TAS zum Zuge.
    Jeder Charakter hat eine „Handlungsleiste“, welche mit einer gewissen Anzahl von Angriffsbewegungen gefüllt werden kann.
    Für jedes Level-Up verlängert sich der Handlungsbalken ein kleines bisschen, so dass man ihn auf Dauer mit immer mehr Angriffen „füllen“ kann.
    Mithilfe des Befehls „Zauberkraft“, lässt sich der Handlungsbalken für den nächsten Zug aber auch künstlich erweitern, womit bereits zu Beginn des Spiels lange Komboattacken ermöglicht werden.

    Bei den Angriffsbewegungen selber stehen uns vier verschiedenen Grundangriffe zur Verfügung (Hohe und tiefe Tritte, sowie Angriffe mit der Waffenhand und der Ra-Seru-Hand), die mit den vier Tasten des Steuerkreuzes eingegeben werden.
    Der Clou hierbei ist nun, dass man - wie in einem Old-School-Beat 'em Up - für bestimmte Angriffs-Kombinationen Spezialangriffe - „Arts“ genannt - auslöst, welche besonders hohe Schäden beim Feind anrichten.
    Diese Arts werden entweder durch Eigeninitiative (also durch experimentieren unterschiedlicher Kombovarianten), Informationen einiger NPCs oder bestimmte Items freigeschaltet und anschließend in einer Tabelle gelistet, die sich auch im Kampf aufrufen lässt.
    Der Haken an der Sache ist jedoch, dass jede Art eine bestimmte Anzahl an „KP-Punkten“ erfordert, welche durch eingesteckte Treffer und den Einsatz des Befehls „Zauberkraft“ verdient werden.
    Ein geschicktes Zusammenspiel zwischen Arts und KP-Punkten ist also ratsam, um möglichst hohe Schadenswerte beim Gegner zu erzielen.
    Wer darauf keinen Wert legt, kann aber auch für jeden Zug den Auto-Modus wählen und somit das Programm die Angriffskombinationen wählen lassen - sehr nützlich um schwache Gegner schnell zu beseitigen.

    Bei den Befehlen „Item“ und „Magie“ wählt man lediglich aus einer Liste den gewünschten Gegenstand bzw. Zauber aus - Business as usual also.
    Interessant ist jedoch der Erwerb der magischen Beschwörungen - bei diesen handelt es sich nämlich um eingefangene Seru-Monster.
    Durch reguläre Angriffe gegen ein Seru-Monster kann es nämlich passieren, dass dieses vom Ra-Seru des jeweiligen PCs absorbiert wird und folglich als magische Beschwörung eingesetzt werden kann.
    Das funktioniert aber nur, wenn der zugefügte Schaden das HP-Maximum des Seru nicht allzu sehr übersteigt, was vor allem gegen Ende des Spieles eine erfolgreiche Absorbtion erheblich erschwert.
    Dafür ist es möglich seine Seru-Beschwörungen bis auf Stufe neun aufzuleveln, um deren Leistung zu erhöhen.
    Dies geschieht, in dem man sie einfach immer wieder einsetzt, wofür natürlich die obligatorischen Magie bzw. Mana-Punkte benötigt werden.
    Das große Problem hierbei sind jedoch die sehr langen Beschwörungsanimationen, die sich leider nicht wegdrücken lassen.
    Auf diese Weise werden die Kämpfe oftmals unnötig in die Länge gezogen.
    Wer FF VIII gespielt hat wird sich in etwa vorstellen können wie das hier abläuft - ein nicht zu unterschätzender Kritikpunkt.

    Und damit wäre auch alles Wichtige erörtert.
    Legend of Legaia bietet ein grundsolides, wenn auch damals schon recht verbrauchtes, Standard-RPG-Gameplay.
    Trotz einiger kleiner Innovationen wie dem TAS-Kampfsystem, hatte ich nie das Gefühl irgend etwas besonderes zu zocken.
    Spaß hat es trotzdem gemacht und ich habe weiß Gott schon wesentlich unspektakulärere J-RPGs hinter mir (böse auf DQ8 guck), aber dennoch vermisse ich hier einfach den nötigen Schuss Eigenständigkeit - Nebel hin oder her.



    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: Anders als andere PSone-RPGs, setzt LoL auf eine reine 3D-Grafik - Renderbilder sucht man hier also vergebens.
    Dies hilft zwar einerseits den Titel wohltuend von der Konkurrenz hervorzuheben, ändert aber nichts daran, dass die Renderbilder der Konkurrenz dann doch wesentlich hübscher anzuschauen sind, als die pixeligen 3D-Landschaften von LoL.
    Schlecht sieht das Spiel aber nicht aus, die unterschiedlichen Locations werden durchaus gut vermittelt und einige Highlights wie die Stadt Sol bleiben einem gar im Gedächtnis hängen.
    Aber dennoch bin ich der Meinung, dass dieser Grafikstil gegenüber Renderbildern klar den Kürzeren zieht.
    Die Charaktere die hier - FF VII like - als klobige Polygon-Figuren dargestellt werden, hätten ebenfalls etwas „runder“ ausfallen dürfen und auch die spärlich gesäten, unspektakulären Rendersequenzen reißen nichts rum.
    Im Kampfscreen werden die Spielfiguren dann wieder realistisch proportioniert, was jedoch positiv zu werten ist - auch hier grüßt uns wieder FF VII.
    Ein - für mich - wirklich ernsthafter Malus ist jedoch die stellenweise geradezu himmelschreiend bunt ausgefallene Farbwahl.
    Man bekommt hier den Eindruck, dass jemand von Contrail in den Kindergarten von nebenan gestiefelt ist, um die dortigen Kids darum zu bitten, die Spielfiguren einzufärben.
    Als Konsequenz sollte man sich jedenfalls auf Charaktere mit grünen, pinken, blauen und orangenen Haaren nebst dazu passenden Klamotten einstellen ... ernsthaft, man kann es auch in einem J-RPG übertreiben!

    Sound: An dieser Stelle habe ich eher wenig zu erzählen, was schon mal als negatives Zeichen gedeutet werden kann.
    Das liegt daran, dass es keinen Track aus dem LoL-OST gibt, der über Ohrwurm-Charakter verfügt oder sonst irgendwie heraus sticht.
    Der gesamte Soundtrack wirkt irgendwie unspektakulär und billig produziert - man merkt das Contrail nicht das nötige Kleingeld für einen vernünftigen Komponisten zur Verfügung hatte.
    Ein paar nette Tracks mag es sicherlich geben (diese haben auch ihren Weg in den Nachfolger „Legaia 2“ gefunden), aber wie gesagt: Es bleibt einem nach abschalten der Konsole nicht wirklich etwas im Kopf hängen. Für ein rundenbasiertes J-RPG recht schwach.
    Als eigenwillig muss man die Sprachausgabe bezeichnen, welche sich hauptsächlich in japanischen Kampflauten der Spielfiguren äußert.
    Diese werden sicherlich nicht jedem gefallen und lassen darüber hinaus die Frage aufkommen, warum diese nicht synchronisiert wurden obwohl das Spiel in den Minigames doch tatsächlich über eine deutsche Synchronisation verfügt?
    So etwas gilt bei mir einfach als Schlamperei - entweder komplett japanisch oder komplett deutsch, aber bitte kein Mittelding!

    Präsentation: Hmm, irgendwie kann mich Legaia in diesem Bereich nicht wirklich überzeugen.
    Einerseits setzt man auf düstere Storyinhalte und ernsthafte Themen wie z. B. den Verlust von geliebten Menschen, aber andererseits wird dieser Eindruck durch knallbunte Farben und kindische Elemente wieder zunichte gemacht.
    Es passt einfach nicht zusammen, wenn man bei der Erkundung einer nebligen Geisterstadt voller Seru-Mutanten auf einmal mit Noas hyperaktiv-hibbeligenen Art konfrontiert wird - um mal ein Beispiel zu nennen.
    Sowas zerstört doch jegliche Atmosphäre die eventuell aufkeimt!
    Auch die deutsche Lokalisation hätte wesentlich besser ausfallen sollen.
    Die Bildschirmtexte lesen sich recht holprig und man erhält dadurch nicht immer den vollen Durchblick bezüglich des Handlungsverlaufes.
    Schlussendlich wird man noch nicht einmal audiovisuell vom Hocker gerissen (von dem Patzer mit der japanisch-deutschen Synchro mal ganz zu schweigen) ...
    Aber wie auch immer, schlecht ist das Spiel ja nun nicht geworden, man sollte seine Ansprüche aber keinesfalls zu hoch ansetzen!



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - originelles Tactical-Arts-Kampfsystem
    - interessanter Nebel-Aspekt
    - grundsolides Gameplay

    Kontra:
    - langweilige Charaktere
    - auf Dauer etwas eintönig
    - ausufernde Beschwörungsanimationen der Magie



    Fazit:
    Unterm Strich ist Legend of Legaia ein „gutes“, wenn auch hochgradig unspektakuläres J-RPG.
    Da ändern auch kleinere Innovationen wie das Tactical-Arts-Kampfsystem oder der Nebel-Aspekt nichts daran.
    Nichtsdestotrotz bekommen zumindest Genrefans einen netten Lückenfüller geboten, mit dem sich die Wartezeit auf den nächsten RPG-Blockbuster durchaus überbrücken lässt.
    Zu mehr taugt der Titel aber leider nicht, da die Konkurrenz auf der PSone einfach zu stark ist.
    Wer die großen Genrevertreter wie Grandia, Breath of Fire III+IV, Final Fantasy VII-IX oder Legend of Dragoon noch vor sich hat, kann sich den Kauf von LoL also sparen.
    Diejenigen unter euch, die diese Spiele schon alle durchgenudelt haben und immer noch nach neuer Beute lechzen, können aber ruhig zugreifen, denn trotz allem ist aus Legaia ein ganz unterhaltsames Spiel geworden. Es scheitert eben nur an der harten Konkurrenz ...


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    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 7
    Sound: 6,5
    Steuerung: 8-8,5
    Umfang: 8-8,5
    Story: 6,5-7
    Spielspaß: 7,5
    Gesamtwertung: 7,5
    Geändert von Sly Boots (2.9.10 um 18:31 Uhr)

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